36 III. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
In Frankreich war die Artillerie bis zum Jahre 1774 nach demSystem Vallier's, das in der vorhergehenden Periode eingeführt wordenwar, eingerichtet. Die leichten Geschütze waren fast ganz ausser Ge-brauch gekommen und nur die schweren geblieben. Die Anzahl der er-steren wurde zwar nach dem Jahre 1741 etwas erhöht: jedem Bataillonward nämlich ein leichtes Geschütz beigegeben. Aber dennoch überwogdie Zahl der schweren Geschütze die der leichten. Der schlesische sowieder siebenjährige Krieg stellten aber die Vorzüge der leichten Feldartil-lerie heraus, und gegen Ende dieser Periode wurde die französische Ar-tillerie gänzlich nach preussischem und österreichischem Muster umge-staltet. Diese Umgestaltung bewerkstelligte der General Gribeauval,der im siebenjährigen Kriege die österreichische Artillerie befehligt undsich mit der vervollkommneten Einrichtung dieser letzteren wie auchder preussischen Artillerie ganz vertraut gemacht hatte. VonLudwigXV.nach Frankreich zurückberufen, richtete Gribeauval nach vielen gelun-genen Versuchen, im Jahre 1765, die französische Artillerie nach einemSystem ein, das seinen Namen trug. Dieses System hatte jedoch vieleGegner, und im Jahre 1772 wurde dasselbe durch das frühere SystemVallier's ersetzt. Aber nach neuen vergleichenden Versuchen mit beidentrug das System Gribeauval 1 s den Sieg davon, wurde im Jahre 1774 de-finitiv eingeführt und erhielt sich auch später in seinen Hauptgrund-zügen, welche denjenigen des preussischen, österreichischen und andererSysteme gleich waren. Die Feldartillerie ward von der Belagerungs- undFestungsartillerie getrennt, die Länge aller Feldgeschütze gleichmässigfestgestellt isiebetrug 18 Durchmesser der Kugel;, in der Feldartillerie wur-den 6-zöllige Haubitzen eingeführt und derselben 12-, 8- und 4-pfündigeKanonen zugetheilt, Geschütze aber von grösserem KaliberzurBelagerungs-und Festungsartillerie gerechnet; die Laffetten erhielten eine neue verbes-serte Einrichtung mit eisernen Achsen, Deichseln, Zapfenlöchern, Hebe-schrauben u.s.w.; ferner wurden die Schussdistanzen für die verschie-denen Geschosse der Artillerie bestimmt, die Festungsartillerie und-Laffetten, sowie die Laboratoriumsarbeiten bedeutend vervollkommnet,auch hatte man eine verbesserte Arf von Kartätschen erzeugt, Lunten an-gefertigt u.s.w. Gegen Ende dieser Periode kam die französische Ar-tillerie, die nicht so zahlreich war wie die preussische und österrei-chische, diesen letzteren fast in allen Stücken gleich, und es fehlte ihr nuretwa noch die grössere praktische Vollkommenheit hinsichtlich des Zu-sammenwirkens mit der Infanterie und Beiterei beim Operiren im Felde.
In den anderen Staaten "West-Europas war die Artillerie Ende dieserPeriode umgestaltet: in Deutschland mehr oder weniger nach dem Musterder preussischen oder österreichischen, in Italien und Spanien nach Gri-beauval's System ; in Portugal aber wurde die Artillerie gegen das Ende