2. Das Kriegswesen und die Kriegskunst in der Periode von 1740—1792. 35
Bapaume. In Preussen gab es keine Schulen, sondern die Artilleristenwurden in ihren Regimentern ausgebildet.
Das Geniecorps hatte auch seine Schulen, unter denen die beinerkens-werthesten die sächsische Ingenieur-Akademie und die französische In-genieurschule in Mezieres waren.
Zum Schluss mag bezüglich des Zustandes der Artillerie und Ar-tilleriekunst in Preussen, Oesterreich; Frankreich und anderen Staatennoch auf einige besondere Umstände hingewiesen werden. Als Fried-rich II. den Thron bestieg, standen die preussische Infanterie und Reitereiihrer taktischen Einrichtung nach unvergleichlich höher als die preus-sische Artillerie, die ihrer Schwerfälligkeit und Unbeholfenheit wegendie Bewegungen der Infanterie und Reiterei nur verzögerte. Ausserdemwar zur Erlangung eines Officiersgrades in den beiden letzteren Truppen-gattungen der Adelsstand erforderlich, während in den gelehrten Corps:Artillerie und Genie, der Officiersgrad Leuten aller Stände ohne Aus-nahme zugänglich war, wenn sie nur die erforderlichen Fähigkeiten undKenntnisse besassen. Die Folge davon war, dass unter den drei Truppen-gattungen die Artillerie den letzten Rang einnahm und sowohl diese alsauch das Geniecorps in der allgemeinen Meinung sich nicht solcher Ach-tung und auch nicht solcher Fürsorge und Sorgfalt seitens Friedrich'sselbst erfreuten, wie die Infanterie und Reiterei. Demungeachtet er-kannte Friedrich IL wohl die ganze Wichtigkeit der Artillerie, und in-dem er Infanterie und Reiterei unaufhörlich vervollkommnete, war erauch bemüht, die Artillerie, besonders in praktischer Hinsicht, zu grösse-rer Vollendung zu bringen, was ihm auch bis zu einem hohen Grade ge-lang. Wie oben gezeigt worden, übertraf die in den Jahren 1758 und1759 umgestaltete, vervollkommnete und an Zahl vermehrte preussischeArtillerie die aller übrigen Armeen in der Schnelligkeit ihrer Be-wegungen und Operationen, wie nicht minder in der Sicherheit imSchiessen, und Friedrich IL zeigte durch geschickte gemeinsame Ver-wendung von Infanterie, Reiterei und Artillerie, welchen Nachdruck dieletztere den Operationen der beiden ersteren Truppengattungen zu ver-leihen und welchen Einfluss dieselbe &uf Gang und Erfolg des Kampfesauszuüben vermag.
In Oesterreich verdankte die Artillerie ihre Vervollkommnung demFürsten Liechtenstein. Verbesserungen hinsichtlich der Fronte, bezüg-lich der Materialien, der Technik und des Laboratoriums, von denenoben die Rede war, wurden auch hier in allen Theilen eingeführt, undam Ende dieser Periode war die österreichische Artillerie zahlreich , er-reichte einen hohen Grad von Vollkommenheit und hatte eine Einrichtung,die mit einigen Aenderungen in ihren Hauptgrundlagen bis in die neue-sten Zeiten beibehalten worden ist.