32 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
sich ungemein verbreitete, waren die nach Gribeauval's System angefer-tigten. Mit Granaten schoss man aus Haubitzen und sehr oft auch ausKanonen. Aus Haubitzen und Mörsern wurden oft einige kleine Gra-naten auf einmal abgefeuert. Glühkugeln kamen von neuem in Gebrauch:zum Glühendmachen der Kugeln waren Windöfen neuer Construction er-funden. Es wurden concentrische Bomben verschiedener Art gegossen.Nach dem Beispiele der Russen führte man Brandkugeln ein. Ausserdemwurden erfunden und theils auch eingeführt: Feuerrohre und Maschinenverschiedener Construction, die hauptsächlich bei der Belagerung undVertheidigung von Festungen gebraucht wurden. Aber die Versuche mitdem Werfen walzenförmiger Geschosse misslangen.
Die Regimentsgeschütze wurden mit Patronen geladen, die schwe-ren Geschütze aber grösstentheils noch mit Ladeschaufeln. Die Art undWeise der Ladung wurde bedeutend vervollkommnet und beschleunigt.
Noch wichtiger und bemerkenswerther waren die Vervollkomm-nungen der Artillerie im Frontewesen und hinsichtlich ihrer praktischenVerwendung und ihrer Operationen im Felde in Gemeinschaft mit derInfanterie und Reiterei.
Die Geschützbedienung wurde aus Artilleristen gebildet, die Zahlder Mannschaft vergrössert und festgestellt (bei leichten Feldgeschützen6 bis 10, bei mittleren 8 bis 10, 11, 12 und bei schweren 12 bis 14 und15 Mann in den verschiedenen Staaten). Auch die bei Bedienung der Ge-schütze vorkommenden Handgriffe wurden festgestellt und der Bedie-nungsmannschaft sorgfältig beigebracht', welch letztere man auch imScheibenschiessen einübte und zu Arbeiten in den Laboratorien ver-wandte.
Die Geschütze wurden theils durch gemiethete Pferde transportirt,grösstentheils aber durch Artilleriepferde, deren Zahl bei jedem einzel-nen Geschütz vergrössert wurde. Im Kampfe wurden die Geschütze oftvon der Bedienungsmannschaft entweder mit Kanonenzugleinen oder mitProtzketten weitergeschafft.
Eine wichtige Vervollkommnung war die von Friedrich II. inPreussen(nach Art der den russischen Dragonerregimentern damals zugetheiltenReiter-Regimentsgeschütze) und später nach dem Beispiele Preussensauch in anderen Staaten eingeführte reitende Artillerie. In Oesterreiehwurde (im Jahre 1 780) anstatt der berittenen die sitzende Artillerie ein-geführt, deren Bedienungsmannschaft auf den auf der Laffette hergerich-teten Sitzen aufsass.
Der Stand der Artillerie ward fortwährend erhöht und erreichteEnde der Periode die höchste Ziffer.
In Preussen bestanden im Jahre 1740 im Ganzen. 10, — 1741 16, —1762 30, — 1772 40 und 1782 43 Compagnien Feldartillerie, die im