2. Das Kriegswesen und die Kriegskunst in der Periode von 1740—1792. 31
Kalibers auf ein 12 pfundiges festgesetzt. Nach dem Beispiele Russlandswurden in Preussen und nach dem Beispiele Preussens in den anderenStaaten (am spätesten in Frankreich) als unumgänglich nothwendigerBestand der Positionsartillerie 10- und, 7 pfundige Haubitzen eingeführt,die bis dahin fast ausschliesslich bei der Belagerung und Vertheidigungvon Festungen und sehr selten im Felde gebraucht worden waren. Auchdas Kaliber und Gewicht der Mörser wurden festgesetzt. In Frankreichund England wurden 4Y 2 bis 10zöllige und in Preussen, Oesterreich,Sachsen und anderen Staaten 10 bis 75 pfundige Mörser mit cylindrischenund in Sachsen mit kugelförmigen Kammern gebraucht.
Das Giessen derGeschütze wurde dadurch vervollkommnet, dass die-selben massiv gegossen und in horizontaler Lage gebohrt wurden, wasspäter auch bei Herstellung der Mörser geschah. In England und dannauch in anderen Staaten wurden der Guss und das Bohren massiver eiser-ner Feldgeschütze und Mörser eingeführt. In Frankreich hatte manschmiedeeiserne Geschütze erfunden, die übrigens nicht zum Gebrauchkamen.
Die Laffetten der Feldgeschütze wurden bedeutend erleichtert undvervollkommnet. Anstatt der Holzachsen bei den Laffetten und bei allenArtillerie- und anderen Wagen überhaupt wurden eiserne Achsen undanstatt der Gabeln Deichseln eingeführt. Erfunden und eingeführt wur-den ferner verschiedene Arten vervollkommneterFestungslaffetten, wie dievon Gribeauval auf Bahmen, von Montalembert, Köhler (Depressions-Laffe tte) u. A. m.
In Folge vielfältiger theoretischer Forschungen und praktischer Ver-suche und Beobachtungen der ersten Physiker, Mathematiker und Militär-personen jener Zeit wurden die Bereitung und Anwendung des Sehiess-pulvers und der Feuergeschosse bedeutend vervollkommnet. So hatte mantheoretisch und praktisch entschieden und bestimmt : die beste Mischungdes Schiesspulvers, die beste Zubereitungsart desselben und Einrichtungvon Pulvermühlen, die Theorie der Entzündung, Kraft und Wirkung desPulvers (Grundlage in dieser Hinsicht war die Theorie LavoisierV , dasKaliber, die Länge und das Gewicht der Geschütze und hinsichtlichderselben, sowie der Kraft und Weite der Flugbahn der Geschosse,die Quantität der Ladung, das ballistische Problem, die Theorie desBombenwerfens u. s. w. Das Richten derGeschütze wurde durch Ein-richtung lothrechter Schrauben und Einführung verschiedener Arten vonVisiren (in Frankreich des von Gribeauval erfundenen , von Instrumentenzur Bestimmung der Höhenrichtung der Geschütze u. dgl. m. vervoll-kommnet. In gleicherweise wurden das Giessen, Bearbeiten und der Ge-brauch der Geschosse: Vollkugeln, Kartätschen, Granaten, Glühkugeln,Bomben u. s. w., vervollkommnet. Diebesten Kartätschen, deren Gebrauch