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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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2. Das Kriegswesen und die Kriegskunst in der Periode von 17401792. 27

Derselbe sprach in seinen Schriften einen Gedanken aus, der dadurchbemerkenswerth ist, weil derselbe in derThat nach ihm, in neuerer Zeit,verwirklicht worden ist, nämlich : dass beide Aufstellungen gleich gut,nützlich und nöthig wären, wenn sie der Oertlichkeit und den Umstän-den angepasst würden, und dass die taktische Aufstellung der Truppenzwei Hauptformen haben müsse : eine deployirte und eine tiefe Aufstel-lung, sowie dass auf die bequemste "Weise von einer Form zur andernübergegangen werden müsse.

Abgesehen von den Debatten in Frankreich über die tiefe und flacheAufstellung, haben in jener Zeit viele hervorragende Militärpersonen (Grafvon Schaumburg-Lippe-Bückeburg, der die portugiesische Armee befeh-ligte, Marschall Graf von Sachsen, Marquis Sylva u. m. A.) verschiedeneAufstellungen ersonnen, die, ihrer Meinung nach, die Frontaufstellungund die Operationen der Infanterie bedeutend verstärken respective er-leichtern sollten. Aber alle diese Erfindungen blieben Theorien, denn siekamen nicht zur Anwendung. Die preussische Aufstellung und Taktikaber, die in der Praxis ihre Yorzüglichkeit bewiesen hatten, gelangtenüberall zur unumschränkten und unbedingten Geltung. Wie schon obengesagt worden, war gegen Ende dieser Periode, abgesehen von einigenunbedeutenden speciellen Unterschieden, die Infanterie überall mehr oderweniger nach dem Muster der preussischen eingerichtet. So waren z. B.zum Feuern sowie zu den Evolutionen die österreichischen Bataillone in3 Divisionen, jede zu 2 Compagnien, und diese zu je 4 Zügen, die säch-sischen, schwedischen und französischen in 4 Divisionen und 8 Halbdivi-sionen, die hannoverschen ähnlich den preussischen u. s.w. eingetheilt.Ausser dem Bataillons-, Halbbataillons-, Divisions- und Pelotonfeuor(wobei die ersten zwei Reihen niederknieten) gab die Infanterie zuweilenmit Erfolg unregelmässiges Feuer in Reihen. Uebrigens ist es sehrsonder-derbar, dass bei dem fast ausschliesslichen Operiren der Infanterie mitder Feuerwaffe es in allen Armeen fast gar nicht üblich war, die Infan-terie im Schiessen nach der Scheibe zu unterrichten.

Schliesslich ist zu erwähnen, dass in den Türken- und bisweilenauch in anderen europäischen Kriegen der aus der vorhergehenden Pe-riode stammende Gebrauch beibehalten war, sich vor der Infanterie derspanischen Reiter zu bedienen , die zerlegbar waren und theils von denMusketieren getragen, theils aber den Truppen nachgeführt wurden.

§. 13.Die Reiterei.

Die taktische Einrichtung der Reiterei war in vieler Hinsicht umge-staltet und bedeutend vervollkommnet worden. Die Reiterei nahm schonden thätigsten Antheil an den Kämpfen und entschied nicht selten den