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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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26 III. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

das französische nannte; in demselben bemühte er sich zu beweisen,dass dem Volkscharakter der Franzosen eine tiefe Aufstellung mehrals eine flache, und die Operationen mit der blanken Waffe mehr alsdiejenigen mit der Feuerwaffe entsprächen. Die Grundaufstellung seinesSystems war die Plesion [plesion) , eine Vereinigung der Phalangen-Aufstellung mit der Aufstellung der Legion. Die Plesion bestand aus768 Mann, die mit Bajonnetgewehren bewaffnet und in 24 Glieder inder Fronte und in 32 Reihen in der Tiefe aufgestellt wurden. Sie theiltesich in 4 Hälften [mcmches, manchettes) parallel den Flanken, in 4 Ab-theilungen parallel der Fronte, und kreuzförmig in 4 gleiche Manipel.Die Plesion musste sich aufstellen: 1) zu Kriegszeiten, entfernt vomFeinde, sowie in Friedenszeiten in Schlachtordnung, d. h. zwischenden vorderen und hinteren Sectionen mussten 2 oder 3 und zwischenden beiden mittleren 4 oder 6 Schritte Distanz sein; 2) zum Angriff inGestalt einer Phalanx, d. h. alle Sectionen mussten zusammenwirken;und 3) bei Bewegungen weit vom Feinde entfernt, in deployirter Ord-nung, d. h. alle Reihen mussten auf 2 oder 3 Schritte Distanz aus-einanderrücken. Auf diese Weise vereinigte eine Plesion in sich, nachMenü Durand's Meinung, alle TJnterabtheilungen und Verschiedenheitender Aufstellung und alle Vortheile zum Operiren mit der blanken Waffein grösseren und kleineren Theilen und mit allen verschiedenen Mitteln.Die Debatten über das preussische und das französische System dauertenlange. Endlich wurde, im Jahre 1777 , im Lehrlager bei Vaussieux, inder Nähe von Bayeux in der Normandie, ein Truppencorps gesammeltund über beide Systeme vergleichende Versuche angestellt. Das preus-sische trug den Sieg davon, nicht deshalb, weil in der That der Vorzugdesselben über das französische bewiesen worden war, sondern vielmehrdeshalb, weil die Versuche über das letztere mit Unlust und ungeschicktangestellt wurden. Seit dieser Zeit wurden die preussische Aufstellungund Taktik, die schon theilweise in der französischen Armee eingeführtworden waren, in ihrem ganzen Umfange in derselben eingeführt. Diesmachte aber noch nicht den theoretischen Debatten über die tiefe unddie flache Aufstellung ein Ende. Zu Gunsten der ersteren haben ausserMenü Durand noch Joly de Maizeroy, Baron de Bohan und Anderegeschrieben. Von der andern Partei hat Guibert noch ein Werk überdie neuere Taktik herausgegeben. Beide Parteien hatten in so fern Un-recht, als jede die ausschliessliche, beständige und unbedingte Anwen-dung ihrer Aufstellung und Operationsart forderte. Ihnen fiel es auchnicht im Geringsten ein, dass das Geheimniss der neueren europäischenTaktik in der Verbindung beider Aufstellungs- und Operationsarten ent-halten war. Dieses Geheimniss errieth ein Mann, der den Debattender französischen Theoretiker ganz fremd war, der Engländer Lloyd.