2. Das Kriegswesen und die Kriegskunst in der Periode von 1740— 1792. 25
Die Vollkommenheit, zu welcher Friedrich II. die taktische Ein-richtung und Operationsart der preussischen Infanterie brachte. und dieglänzenden Erfolge, die er durch dieselben erzielte, veranlassten die an-deren Staaten, auch ähnliche Verbesserungen in ihrer Infanterie einzu-führen. In der österreichischen Armee wurde mit der taktischen Vervoll-kommnung der Infanterie nach dem Frieden zu Dresden, zugleich mitder gänzlichen Umgestaltung der ganzen Armee, begonnen. Und auchin anderen deutschen, besonders in der im Jahre 1776 umgestaltetensächsischen, in der hannoverschen und hessischen, wurde die Infanterieallmälig taktisch nach dem Muster der preussischen eingerichtet und ver-vollkommnet. In allen diesen Armeen, ähnlich der preussischen, trugenzur Vervollkommnung der Infanterie viel die Uebungslager bei und ausser-dem noch in der sächsischen der Graf von Anhalt, der später mit Aus-zeichnung in Russland gedient hat.
Was die französische Infanterie anbetrifft, so hatte sie am Anfangedieser Periode weder Beweglichkeit, weil sich Niemand in derselben mitihrer taktischen Vervollkommnung beschäftigte, noch Standhaftigkeit,weil in derselben keine Disciplin war. Daher konnte sie weder marscki-ren, noch auf der Stelle stehen ohne ihre Reihen in Unordnung zu brin-gen und ohne beständig zu feuern, tirerie, wie es der Graf von Sachsennannte, und wogegen er so entschieden auftrat. Sie war nicht im Stande,einen Angriff auf freiem Felde zu machen, noch einen solchen auszu-halten , musste hauptsächlich in gedeckten Positionen, hinter Befesti-gungen kämpfen, und deshalb hiugen ihre Erfolge von der Geschick-lichkeit und dem Verständnisse der französischen Generale ab, den Kampfnach Möglichkeit auf einzelne Vorpostengefechte zu beschränken. Ver-gebens rieth der Marschall Graf von Sachsen, in der französischen In-fanterie eine bessere taktische Einrichtung nach preussischem Muster zutreffen; die gänzliche Einführung der preussischen taktischen Organi-sation und Operationsart der Infanterie geschah erst nach ihm und demsiebenjährigen Kriege und nach anhaltenden theoretischen Debatten überdie Vorzüge einer tiefen und flachen Aufstellung. Diese Debatten be-gannen gegen 1770. Beide Aufstellungen, die tiefe und die flache, hattenihre eifrigen Anhänger und Vertheidiger, aber die erstere bedeutend mehrals die letztere. Die Anhänger einer flachen Aufstellung und der Opera-tion mit dem Schiessgewehr waren begeisterte Verehrer und AnbeterFriedrich's II. und seiner Taktik. An ihrer Spitze stand der Oberst Gui-bert, der in seinen Schriften die Taktik Friedrich's IL erläutert und sehrgelobt hat. Vertheidiger der tiefen Aufstellung und der Operation mit derblanken Waffe waren alle Anhänger der alten Zeiten und an ihrer SpitzeMenü Durand. Der Letztere stellte sogar ein besonderes System derTruppenaufstellung z usammen, das er, im Gegensatz zum preussischen,