24 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
ganzen Anfang seiner Regierungszeit ausfüllten, stellte er seine Infan-terie, um ihr Feuer zu verstärken, in langen, dünnen, deployirten Linienauf. Schon dieses allein brachte ihm im Kampfe einen wichtigen Vor-theil über die Infanterie des Gegners. Während der Kriege selbst undbesonders in der Zwischenzeit derselben vervollkommnete Friedrich II.in hohem Grade oder, besser gesagt, schuf eine neue Taktik der Infan-terie, wozu die von ihm eingeführten Uebungslager viel beitrugen. Einbesonderer Zug seiner Infanterie-Taktik waren für die damalige Zeit:ungewöhnliche Schnelligkeit, Präcision und Correctheit der Evolutionen(Bewegungen und Aufstellungen), in dem Uebergange von der Aufstel-lung in Marschcolonnen in eine deployirte Frontaufstellung und Gewehr-feuer in derselben. Die Schnelligkeit, Präcision und Correctheit der Be-wegungen und Evolutionen erreichte Friedrich II. bei der preussischenInfanterie hauptsächlich durch Anwendung dessen, was der MarschallGraf von Sachsen lange und vergebens in der französischen Infanterieeinzuführen rieth, indem er sagte, dass die ganze Taktik in den Füssenliege [toutela tactique est dam lesjambes), namentlich durch Einführungeines gemessenen Schrittes. Viel trug zur bedeutenden Beweglichkeit derpreussischen Infanterie, zur Schnelligkeit ihrer Evolutionen und Ge-wandtheit, Räumlichkeit ihrer Aufstellung die taktische Eintheilung der-selben behufs Feuerns undEvolutionirens bei, und zwar waren die preus-sischen Bataillone zu diesem Zwecke zuerst in 4, dann in 5 Divisionen,zu zwei Zügen jede, eingetheilt. Zu der Zeit wurden von den Evolutio-nen diejenigen für die schwersten erachtet (sie waren auch in der Thatdie schwersten und in ihnen übertraf die preussische Infanterie alle übri-gen) , die in Schwenkungen zuerst grösserer, dann kleinerer Truppen-theile, in der Deployirung von Marschcolonnen und besonders im Vor-rücken in deployirter Linie bestanden. In der preussischen Infanteriefanden Flankenbewegungen grosse Anwendung und wurden in doublirten(Marsch mit Sechsen) und später in einfachen Abtheilungen ausgeführtund durch Reiterei geschützt. Die hauptsächlichste und fast ausschliess-liche Art des Feuerns in der preussischen Infanterie war das Peloton-feuer, von einer Flanke zur andern oder von der Flanke zum Centrumund umgekehrt. Die Carree-Aufstellung wurde gegen eine überle-gene Anzahl feindlicher Reiterei in offenen Gegenden, jedoch selten, an-gewandt.
Friedrich IL war der Erste, der wenn auch selten und in deployirterFronte-Aufstellung, Bajonnetangriffe machte; in seinen Kriegen wandteer jedoch in der Infanterie gar nicht die Aufstellung in Schlachtcolonnenan und nur am Ende seiner Regierung führte er dieselbe bisweilen unterdie Zahl der Aufstellungen der Infanterie in den Uebungslagern ein.