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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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2. Das Kriegswesen und die Kriegskunst in der Periode von 17401792. 21

den Truppen verursachten der französischen Armee einen harten Schlagund verdoppelten ihre moralische Verwirrung.

Die bewaffnete Stärke der Staaten West-Europas bestand zu der Zeitaus ständigen Armeen und Land- oder Volkswehr (Miliz). Die ständigenArmeen bildeten die Garde der Herrscher (in Frankreich die königlichenGarden zu Fuss und zu Pferde, sowohl die französische, als auch dieangemietheten Schweizer, Italiener und Deutschen) und die Feld- undGarnisonstruppen. Die Miliz hatte in verschiedenen Staaten eine mehroder weniger gleiche Einrichtung; in Friedenszeiten versammelte siesich und wurde zu besonderen Jahreszeiten einexercirt, in Kriegszeitenwurde sie, in äussersten Fällen, zum activen Dienst einberufen undnaph Beendigung des Krieges wieder entlassen. Die englische Miliz be-sonders zeichnete sich durch gute Organisation ans und erfreute sich imStaate grosser Achtung. In Preussen war die Miliz den Linientruppenähnlich organisirt. Während des siebenjährigen Krieges benutzte sieFriedrich IL zu Garnisonen in den Festungen. In Oesterreich war diebeste Miliz die Volkslandwehr (Insurrection), die von den Ungarn bewaff-net und gestellt wurde. In Frankreich wurde die Miliz nach dem Looseunter der ledigen Stadt- und Landbevölkerung vom vierzehnten bis zumvierzigsten Lebensjahre aufgebracht und bildete ständige Provinzial-bataillone und später Regimenter, deren Zahl sich zuerst auf 53 und dannauf 48 belief. Mit der Miliz wurden in Frankreich die Linientruppenergänzt.

§. 12.Die taktische Einrichtung der Truppen überhaupt und der Infanterie

insbesondere.

Die taktische Einrichtung und Operationsart der preussischen Trup-pen, besonders der Infanterie und Reiterei, die von Friedrich IL inhohem Grade vervollkommnet waren, dienten als Gegenstand der Nach-ahmung und als Muster für die übrigen europäischen Armeen und wur-den die ersten in Europa. Gegen Ende dieser Periode waren schon dieTruppen aller europäischen Armeen mehr oder weniger in taktischerHinsicht nach dem Muster der preussischen eingerichtet und erreichtenmit dieser einen gleichen Grad von Vollkommenheit.

Die Infanterie bestand aus schweren oder Linien- und leichten Re-gimentern. Die ersteren bestanden aus Grenadieren, Musketieren undFüselieren. Die Grenadiere begann man überall in besondere temporäreund später in ständige Grenadier-Bataillone zusammenzuziehen. InPreussen herrschte dieser Gebrauch schon vor Friedrich IL und dieTruppen waren so daran gewöhnt, dass Friedrich IL diesen Gebrauch