1. Friedrich IL von seiner Geburt bis zu seiner Thronbesteigung. 1 5
Manu, der Herrscher und vor Allem, nach dein Gegenstande der vorliegen-den Untersuchung, der Feldherr entwickelte. In dieser letzteren Hinsichtbesonders wollen wir einen allgemeinen Blick auf die besagte 28jährigePeriode werfen und aus derselben Folgerungen in körperlicher und gei-stiger Hinsicht über Friedrich ziehen.
In körperlicher Hinsicht war anfangs nichts, was Kraft und langesLeben versprach. Friedrich war in seiner Kindheit schwach und kränk-lich ; aber durch sorgfältige Pflege und verständige körperliche Uebun-gen erlangte er mehr Kraft und Stärke, bis zu der Zeit als die traurigenEreignisse von 1730—31 ungünstig auf die körperlichen Kräfte und dieGesundheit Friedrichs einwirkten und ihm gefährlich wurden. Seit derAussöhnung mit dem Vater aber, im Jahre 1732, schwand diese Gefahrund Friedrich erholte sich nach und nach immer mehr und erstarkte inkörperlicher Hinsicht, namentlich seit der Zeit als er sich mit seinem Re-gimente in Ruppin und dann mit seiner Gemahlin in Rheinsberg nieder-liess. Besonders zuträglich war seiner Gesundheit und seinen Körper-kräften sein 5 jähriger Aufenthalt in Rheinsberg. Demungeachtet lässtsich nicht sagen, dass er sich bis zu seiner Thronbesteigung durch un-gewöhnliche Kraft und Stärke des Körpers besonders ausgezeichnethabe. Aber sein Aeusseres in seinen Jünglingsjahren, das oben be-schrieben worden ist, war ein gebietendes und kennzeichnete ihn als einenaussergewöhnlichen Menschen. :
In geistiger Hinsicht zeigte er in seiner Kindheit, in Folge seinerschwächlichen und krankhaften Körperconstitution, nichts Aussergewöhn-liches. Aber mit den Jahren und mit der Entwickelung der Körper-kräfte und Zunahme der Gesundheit trat mehr und mehr ein ungewöhn-licher Geist zu Tage, der nur bedeutenden Menschen eigen ist. Und erwuchs mit demselben heran und zeigte sich schon in seinen Jünglings-jahren mit besonderer Kraft begabt, die unter Anderm bedeutend höherals die geistige Bildung stand, die ihm nach der Instruction seines könig-lichen Vaters gegeben wurde und welche seiner aussergewöhnlichen gei-stigen Begabung nicht entsprach, weil sie ziemlich beschränkt und un-befriedigend war. Friedrich, der dies empfand, strebte darnach, sichselbst zu bilden; aber dies war gerade eine der Ursachen der Misshellig-keiten zwischen ihm und seinem Vater. Seit seiner GefangenschaftinKUstrin beginnt jedoch seine theoretische uud praktische Selbstausbil-dung, die immer weiter und weiter vorschreitet und in den fünf Jahrenin Rheinsberg ihren höchsten Grad erreicht, zum Nutzen für Fried-rich und sein künftiges Reich und Volk. Somit kann man sagen, dassFriedrich seine hohe geistige Bildung, die, in der Folge sich mehr undmehr entwickelnd, ihn in die Reihe der gebildetsten Männer, Herrscher