1. Friedrich II. von seiner Geburt bis zu seiner Thronbesteigung. . 13
thums, sowie der beinerkenswerthesten Schriftsteller und Geschicht-schreiber der Neuzeit und der Erzeugnisse der zeitgenössischen Literaturauf allen Gebieten des menschlichen Wissens hin. Zu derselben Zeitunterhielt er einen umfangreichen und beständigen Briefwechsel mit denberühmtesten Gelehrten der Zeit, mit Theologen, Philosophen, Natur-forschern, Aerzten, auch mit Diplomaten und Militärpersonen. Hoch be-geistert war Friedrich von Voltaire, der grossen Einfluss auf ihn ausübteund an den er im Jahre 1 736 sich selbst zuerst schriftlich wandte, ihmseine Freundschaft antrug und von der Zeit an nicht aufhörte, mit ihmbeständig zu correspondiren.
In die von Friedrich in Rheinsberg verlebte Zeit gehören viele vonihm selbst in Prosa und Versen verfasste Schriften, hauptsächlich zweibemerkenswerthe Betrachtungen: »Ein Blick auf den gegenwärtigen Zu-stand des Staatensystems in Europa« und »Antimacchiavelli«, eine zurWiderlegung von Macchiavelli's »// principe« (derHerrscher) abgefassteSchrift.
In Rheinsberg versammelten sich im näheren Umgang mit Fried-rich die gebildetsten Männer der Zeit, Gelehrte (Bielefeld, Chazot,Suhm, Fouquet, Knobeisdorf, Kaiserling, Jordan u. a. mV), Künstler(die Musiker Graun, Benda. der Maler Pesne u. a.). Mit einem Worte:Rheinsberg wurde in diesen fünf Jahren, wie Berlin zu Friedrich's I.Zeiten, das Athen Preussens. Ernste Beschäftigungen und Unterhal-tungen wechselten vom gemeinsamen Mittagsmahle bis in die Nachthinein ab mit Spaziergängen, Concerten, häuslichen Theatervorstellun-gen, Bällen und anderen Vergnügungen, welche alle und beständig denStempel des Geistes und der Seele Friedrich's an sich trugen.
Uebrigens musste Friedrich auf Geheiss des Königs sich oft vonRheinsberg nach Berlin oder in die Provinzen Preussens begeben und in-zwischen fuhr er auch fort, sein Regiment zu commandiren, mit welchemer sich an den jährlichen Paraden und Manövern betheiligte. Ueberhauptthat Friedrich alles Mögliche, um die Gunst des Königs durch genaueund stricte Erfüllung seiner Militär- und Staatspflichten zu verdienen.Im Jahre 1739 begleitete er den König auf seiner letzten Reise durch dieProvinzen Preussens, während welcher der König seine reichen Pferde-gestüte, die jährlich gegen 10—12.000 Thaler Einkünfte abwarfen, anFriedrich schenkte, was für diesen, dessen Ausgaben seine Einnahmenüberstiegen, von grosser Wichtigkeit war.
§.9.Friedrieli's Thronbesteigung (1740).
Die Eintracht zwischen Vater und Sohn wuchs immer mehr undmehr,, aber mit grösserer Heftigkeit erneuerte sich auch die frühere