1 2 III. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
schmeichelhaften Aeusserungen des Prinzen Eugen über Friedrich, dener als grossen Feldherrn der Zukunft bezeichnete, zwangen den König,auf Friedrich mit anderen Augen zu sehen, weil er den Prinzen Eugenhochschätzte.
Uebrigens hatte Prinz Eugen Recht: dieser unbedeutende Kriegkonnte einen zukünftigen grossen Feldherrn unter der Anleitung einesandern schon 70jährigen, der gegen seine Ueberzeugung und seinenWillen den Befehl über die Armee angenommen hatte und nach zweiJahren starb, nichts lehren. Nach unbehinderter Einnahme von Philipps-burg seitens der Franzosen reiste der König, unzufrieden mit den Opera-tionen der Verbündeten , im August von der Armee nach Berlin ab undbefahl Friedrich, die preussischen Truppen Winterquartiere beziehen zulassen, was dieser auch erfüllte, da er seinerseits besonders unzufriedenmit den österreichischen Truppen, Officieren und Generälen war, überwelche er dort den ersten und zwar äusserst unvorteilhaften Eindruckempfing.
Der König erkrankte unterwegs und verliess sein Krankenlagerwährend des ganzen Winters nicht, weshalb er Friedrich an seiner Stattalle Staatsgeschäfte überliess.
Im Frühjahre 1735 genas der König, wenn auch nicht völlig, vonseiner Krankheit und beförderte Friedrich, als Zeichen besondererGnade, zum Generalmajor. Unterdessen erregten eine ganze Reihe von Be-leidigungen österreichischer Seits im Könige einen solchen Unwillen, dasser einst in Gegenwart des österreichischen Gesandten vom Lehnstuhl auf-stand und, sich auf die Schultern Friedrich's stützend, mit Begeisterungsagte : »Warten Sie nur, hier ist mein Rächer!«
Rheinsberg (1735—1740).
Nach völliger Genesung gab der König dem Kronprinzen volle Frei-heit zu leben wo und wie es ihm beliebte, und Friedrich wählte zu sei-nem Aufenthaltsorte sein in malerischer Gegend belegenes SchlossRheinsberg. Einer von denjenigen, die zu dem kleinen Cirkel der auser-wählten Gäste und der mit Friedrich verkehrenden Personen in Rheinsberggehörten, der Baron Bielefeld, hat eine genaue Beschreibung dieser rei-zenden Gegend hinterlassen. Aus dieser Schilderung kann man aufdie Neigungen und den Geschmack Friedrich's, sowie auf seine Lebens-weise und Beschäftigungen in Rheinsberg schliessen. Fünf Jahre (1735bis 1740), die letzten vor seiner Thronbesteigung, die er in Rheinsbergverlebte, bilden eine bemerkenswerthe Periode in seinem Leben. Hier,in Freiheit, gab er sich ganz dem Studium und ernsten Beschäftigungen,dem Lesen classischer Schriftsteller und Geschichtschreiber des Alter-