Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
Entstehung
Seite
11
Einzelbild herunterladen
 

1. Friedrich II. von seiner Geburt bis zu seiner Thronbesteigung. ] 1

fürsten von Sachsen und Königs von Polen August II. entbranntenpolnischen Erbfolgekrieges. Eine kurze Beschreibung dieses Krieges unddes Antheiles, den an demselben der Konig und der Kronprinz vonPreussen genommen, ist schon im Anhang zum II. Bande der Allgem.Kriegsgesch. der Neuzeit, in der Biographie des Prinzen Eugen von Sa-voyen, S. 193, enthalten. Hier wollen wir nur noch einige auf Friedrichbezügliche Einzelheiten anführen. Im Bunde mit Oesterreich und Russ-land entsandte sein Vater 10,000 Mann preussische Truppen zu derunter dem Befehle des Prinzen Eugen von Savoyen auf dem rechten Uferdes Mittelrheins stehenden österreichisch-deutschen Armee. Der KönigFriedrich Wilhelm gab den preussischen Truppen als Volontair seinenSohn Friedrich bei, damit derselbe unter der Leitung eines so berühmtenFeldherrn, wie des Prinzen Eugen, mit der Kriegführung vertraut werde.Friedrich kam am 7. Juli im Hauptquartier des Prinzen, im Dorfe Wiesen-thal an, das auf Kanonenschussweite von der französischen ArmeeBerwick's, die Philippsburg belagerte, entfernt war. Nach seiner An-kunft stellte sich Friedrich sofort dem Prinzen Eugen vor und bat um dieErlaubniss, »ansehen zu dürfen, wie ein Held sich Lorbeern erwerbe-'.Prinz Eugen sprach sein Bedauern darüber aus, dass er nicht schonfrüher die Freude gehabt, den Kronprinzen von Preussen bei sich zusehen, um ihm Vieles zu zeigen, was er 'der Prinz Eugen) schon nichtmehr im Stande wäre zu wiederholen und was einem guten Feldherrnhätte von Nutzen sein können. »In Ihnen aber«, fügte Prinz Eugen,nicht als Schmeichelei, sondern mit dem Blicke eines Kenners hinzu,«bekundet Alles den zukünftigen Helden!« In der That gewann PrinzEugen vom ersten Augenblick an Friedrich lieb, beurtheilte ihn richtigund errieth in ihm den zukünftigen grossen Feldherrn '. Am andern Tagebesuchte Friedrich, zusammen mit dem Herzoge von Würtemberg, denPrinzen Eugen und gleich nach ihm und dem Herzoge das Zelt des Er-steren verlassend, umarmte und küsste er den Herzog, den er schon langekannte und liebte.»Königliche Hoheit, sind denn meine alten Wangen keinesKusses werth?« fragte sich umwendend Prinz Eugen. »Das nicht,«antwortete Friedrich, »aber ich erachtete mich nicht für würdig, ein mitLorbeern geschmücktes Haupt zu berühren!« und sie umarmten sichfreundschaftlich. Interessant sind diese Züge zweier grosser Feldherren,des einen, der seine Laufbahn eben beendete, und des andern, der dieseinige noch nicht begonnen hatte.

Prinz Eugen lud Friedrich zu jeder Sitzung des Kriegsratliesein, und Friedrich theilte mit den Truppen alle Mühen und Gefahrendes Feldkriegsdienstes, und als er zum ersten Male vom feindlichenFeuer beschossen wurde, hielt er diese Feuertaufe kaltblütig undruhig aus. Bald darauf kam auch Friedrich Wilhelm an, und die