1. Friedrich II. von seiner Geburt bis zu seiner Thronbesteigung. 9
Jedoch wurde dieses nicht streng befolgt und Friedrich las Bücher, spieltedie Flöte und besuchte die beste Gesellschaft in der Stadt (damals warer, im Jahre 1730 achtzehn und im Jabre 1731 neunzehn Jahre alt).
Als der König im August 1731 die Provinzen bereiste, kam er auchnach Küstrin, beschied Friedrich zu sich, und hielt ihm, aus Mitleid mitseinen Thränen und seinem bleichen, abgehärmten Gesichte, in sanfter,rührenderWeise die ganzeWichtigkeit seines Vergehens und den Schmerz,den er ihm, dem Vater und Könige, dadurch verursacht, vor, und als ersich in die Equipage setzte, umarmte er ihn vor dem ganzen Volke, wasdieses mit Enthusiasmus aufnahm.
Bald wurde Friedrich mehr Freiheit in seiner Lebensweise ge-stattet. In dieser Zeit gewann Friedrich besondere Vorliebe für die Land-wirtschaft and erwarb sich gute praktische Kenntnisse in derselben.
§• 5-Die Versöhnung (1731—1733).
Am 20. November desselben Jahres, 1731, vermählte sich die Prin-zessin Friederike Wilhelmine mit dem Erbprinzen von Baireuth. DerKönig war darüber so zufrieden und glücklich, dass er sofort Friedrichdie Freiheit schenkte. Am vierten Hochzeitstage, während eines grossenHochzeitsballes bei Hofe, erschien ganz plötzlich im Saale Friedrich inschlichter Kleidung und blieb bescheiden an der Thüre zwischen derDienerschaft stehen. Die Freude und das Entzücken der Königin, derPrinzessin Friederike Wilhelmine und der ganzen Familie war un-beschreiblich und ihre Dankbarkeit dem Könige gegenüber rührte ihnbis zu Thränen.
So endeten schliesslich die traurigen Missverständnisse zwischenVater und Sohn, König und Thronfolger, die Leiden sowohl des ersterenwie des letzteren und aller Glieder der Königsfamilie, und Eintrachtkehrte wieder unter ihnen ein. Von dieser Zeit an erhielt Friedrich nach undnach besondere Zeichen des Zutrauens und Wohlwollens vom Königeund wichtige Ernennungen und Aufträge wurden ihm zu Theil. Am30. November 1731 wurde er zum Chef eines Infanterie-Regiments er-nannt, im Winter wurde er vom Könige beauftragt, Glashütten und an-dere Fabriken zu besichtigen, und im Februar 1732 wurde er zum Com-mandern- eines der königlichen Garde-Begimenter ernannt, mit der Be-stimmung, ständige Quartiere mit dem Regimente in der Stadt Kuppin,9 Meilen (63 Werst) von Berlin entfernt, zu beziehen.
Das gute Einvernehmen zwischen dem Könige und Friedrich wargänzlich hergestellt, und um dasselbe zu befestigen und sicher zu stellen,begann der König an die Verheirathung Friedrichs zu denken. Durch