1. Friedrich II. von seiner Geburt bis zu seiner Thronbesteigung. 7
gütigen, den König zu Gunsten Englands zu stimmen, brachten ihn sosehr auf, dass der Familienfrieden gänzlich zerstört wurde, und ammeisten litten darunter die ältesten Kinder, die Tochter Prinzessin Frie-derike Wilhelmine und der Sohn Friedrich. Besonders in Hinsicht auf denLetzteren entwickelten sich im Gemüthe des Königs statt Zutrauen zu ihmimmer mehr Misstrauen, Aufregung, Zorn und Strenge, und im Herzendes Sohnes statt Liebe und Zutrauen zum Vater beständige Furcht vor ihm.
Wie absichtlich verstärkten dies die Zeitumstände. Nach dem Todedes Königs Georg I. von England, im Jahre 1727, folgte ihm sein Sohn,Bruder der Königin von Preussen, Georg IL, .auf dem Throne. Zwischenihm und Friedrich Wilhelm bestand schon seit lange Feindschaft. Zu-dem warben die preussischen Werber Soldaten im Kurfürstenthum Han-nover an, weshalb es im Jahre 1729 fast zu einem Kriege zwischen Eng-land und Preussen gekommen wäre. Alles dies, vereint mit häufigenPodagra-Anfällen, reizte den König von Preussen und brachte ihn beson-ders gegen Friedrich auf. Und dazu fanden sich bei Hofe noch Per-sonen, die den König noch mehr gegen Friedrich aufreizten. Seine Er-zieher, der Graf Finkenstein und Kalkstein, wurden entlassen und anihrer Stelle wurden Friedrich zwei Gesellschafter. Oberst Rochow undLieutenant von Kaiserling, beigegeben.
Friedrich fand in dem Kammerpagen des Königs, dem Lieutenantvon Keith, einen treuen Freund. Aber der König versetzte den Letzterenmit Rangerhöhung in ein entfernt stationirtes Regiment. Da fand Fried-lich einen andern vertrauten Freund in dem Lieutenant von Katt, einFreundschaftsband, das in der Folge viel verhängnissvoller wurde alsdas erstere.
Das Leben Friedrich's wurde von Stunde zu Stunde unerträglicher.Der König forderte sogar mehrmals, dass Friedrich officiell der Thron-folge zu Gunsten seines jüngeren Bruders August Wilhelm entsagenmöchte. Friedrich aber antwortete, dass er eher seinen Kopf auf denBlock legen, als sich seiner gesetzlichen Rechte auf den Thron entschlagenwürde. Inder Folge erklärte er, dass er darein nur unter der Bedingungeinwillige, wenn der König öffentlich erklären wolle, dass er ihn, Fried-rich, nicht für seinen leiblichen Sohn anerkenne und ihn daher von derThronfolge ausschliesse. Natürlich wurde eine solche Bedingung, dieder religiösen und moralischen Richtung des Königs ganz entgegen-gesetzt war, von diesem entschieden zurückgewiesen.
Endlich gaben des Königs eigene unvorsichtige Worte Friedrich einenverzweifelten Gedanken ein. Bei Gelegenheit einer grossen Cour beiHofe wandte sich der König an Friedrich wie an den letzten der Höflingeund sagte zu ihm : »Wenn der verstorbene König, mein Vater, mit mirso umgegangen wäre, wie ich mit dir umgehe, so würde ich schon längst