i; III. Kriege, in der zweften Hälfte des IS. Jahrhunderts.
§.3.Friedrich's Jugend (1726—1730).
Unter solchen Umständen verlebte Friedrich seine Knabenjahre underreichte das Jünglingsalter. Sein Aeusseres nahm den allerangenehm-sten Ausdruck an : er war von ziemlich hohem Wachse, seine Gesichts-züge zeichneten sich sozusagen durch eine antike, römische Regel-mässigkeit aus. Ans seinen Augen leuchtete ein feuriger Geist, seineRede sprudelte von Witz über und bezeugte ungewöhnlichen Verstandund feurige Einbildungskraft. Aber diese geistigen und sittlichen Kräftelenkten ihn auf einen ganz anderen als den vom Vater bezeichneten Weg.In vielen sowohl wichtigen wie unwichtigen Umständen trat der völligeUnterschied im Charakter, in den Bestrebungen, Beweggründen, Plänen,und Angelegenheiten des Vaters und des Sohnes zu Tage. Friedrichliebte und that das, was seinem Vater nicht gefiel, und der Letztere er-theilte ihm dafür oft scharfe Verweise, ohne Rücksicht auf Ort und Zeit.Mit der Zeit und der zunehmenden Unzufriedenheit und Strenge des Königsund Friedrich's Verdruss darüber rissen nach und nach zwischen ihnendie Bande, die den Vater mit dem Sohne, den König mit seinem Nach-folger und Unterthanen verbanden. Dieses gespannte Verhältniss gingschliesslich in gänzliches Zerwürfniss zwischen ihnen über, die fürBeide traurige Folgen hatte. Zum Unglück befand sich am Hofe keinePersönlichkeit, die sich in gleichem Maasse der Zuneigung des Königsund des Thronfolgers erfreute, um als Vermittler zur Aussöhnung zwischenihnen zu dienen. Die Königin gab sich alle mögliche Mühe, konnte aberdie gestörte Eintracht nicht wieder herstellen: alles was sie in dieserAbsicht unternahm, steigerte nur die gegenseitige Aufregung, Unzufrie-denheit und Uneinigkeit. Unter Andern beabsichtigte sie ihren Zweck durchdie Verehelichung ihrer älteren Tochter Friederike Wilhelmine mit demSohne und Friedrich's mit der Tochter des englischen Kronprinzen, ihres(der Königin) Bruders, zu erreichen, wozu schon lange die Billigung undZustimmung Friedrich Wilhelm's I. erfolgt war. Aber dies erregte dieUnzufriedenheit und Eifersucht des Wiener Cabinets, das beschlossenhatte, alle Mittel aufzubieten, um die verwandtschaftliche Verbindungdes neuen Königreiches Preussen mit England zu hintertreiben und denKönig von Preussen für sich zu gewinnen, was auch dem österreichischenGeneral Grafen Seckendorf, der von Wien nach Berlin gesandt war,durch listige diplomatische Bemühungen gelang. Im October 1726 wurdeim königlichen Schlosse Wusterhausen zwischen Preussen und Oester-reich ein Freundschafts-Vertrag geschlossen. In Folge dessen theiltcsich der preussische Hof in zwei Parteien, in eine österreichische undeine englische. Die Königin gehörte zur letzteren und alle ihre Anstren-