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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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1. Friedrich II. von seiner Geburt bis 2u seiner Thronbesteigung. 5

Pedanterie, Trockenheit, seinem Mysticismus und seiner Unklarheit nachalles Geniiithes bar und ledig und konnte daher keinen Anklang in demfeurigen Verstände und zarten Herzen Friedrich's finden. Die übrigenUnterrichtsgegenstände beschränkten sich nach dem Willen des Königsnur auf die unumgänglich nothwendigen und praktischen Gegenstände :deutsche und französische Sprache an erster Stelle, deutliches und rich-tiges Schreiben, Geschichte, hauptsächlich Preussens und seines Herrscher-hauses, die Lage der Staaten Europas und ihrVerhältniss zu Preussen, dienotwendigsten Kriegswissenschaften, Musik, die Theorie derselben unddas Ciavierspiel (welches auch sehr pedantisch und ungenügend gelehrtwurde), sowie schliesslich insbesondere jegliche Art von körperlichenUebungen. Die lateinische Sprache aber war dem Könige missliebig unddeshalb streng verboten; dennoch lernte Friedrich eine Zeit lang dieseSprache. DieWissenschaften selbst wurden Friedrich gelehrt von dem Pro-fessor Gonde,Jandin, dem Ingenieur-Major von Senning, dem Geschichts-lehrer Kühr und dem Franzosen Duhan, dem er besonders die Entwicke-lung seiner Fähigkeiten zu danken hatte. Duhan, der schon in seinerJugend aus Frankreich nach Brandenburg geflüchtet war, hatte gros-sen Einfluss auf die geistige Entwickelung und Bildung Friedrich's,leitete sein Denken und die Wahl der Bücher zur Lecture und bereicherteihn im Wissen der allgemeinen Geschichte, der französischen schönenLiteratur und ihrer mustergiltigen Erzeugnisse (die deutsche Literaturbefand sich damals auf einer niedrigen Entwickelungsstufe). Hinsicht-lich der sittlichen Erziehung Friedrich's war seinen Erziehern durch dieInstruction des Königs vorgeschrieben:ihm den reinen Glauben an dieVorsehung und an das Gericht des zukünftigen Lebens einzuflössen, da-mit die Ehrfurcht vor dem Schöpfer und die Furcht Gottes alle seine Ge-danken ,und Handlungen begleiten: dies ist das einzige Mittel, ihn inden Grenzen der Wahrheit und Menschenliebe zu erhalten." In denübrigen Paragraphen der Instruction wurde vorgeschrieben, in ihm denGeist des Stolzes und Hochmuths zu ersticken, ihm Widerwillen ge-gen Schmeichelei und Verachtung der Schmeichler einzuflössen, ihnDemuth, Sanftmuth, Milde, Freundlichkeit, Sparsamkeit, Ordnung zulehren und ihn anzuhalten, über Alles sich ein eigenes Urtheil zu bilden.Mit einem Worte : der König wollte überhaupt, dass sein Sohn und Nach-folger ihm inDenkungsart, Gefühlen und Handlungen ganz gleich werde,und bemühte sich, ihn dafür zu begeistern, wofür er selbst Leidenschafthegte, besonders für Militär- und Kriegsangelegenheiten und fürdie Jagd.