4 III. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Richter. Er war von rauhem, heftigem Temperamente, jedoch imPrivatfamilienleben ein Mann von streng religiösenund sittlichen, ein--fachen. aber rauhen Grundsätzen, und er erzog auch seine Kinder nachdenselben.
Die erste Erziehung Friedrich's bis zu seinem siebenten Jahre warder Staatsdame der Königin Frau von Kamecke und ihrer Gehülfin, deralten und klugen Französin Frau von Rocoulle (Dural) anvertraut, diereformirten Glaubensbekenntnisses und dereinst die Erzieherin FriedrichWilhelm's I. gewesen war. Hie hatte grossen und wohlthätigen Ein-fluss auf die Erziehung des jungen Friedrich, welcher daher von seinerKindheit an grosse Neigung für die damals überall verbreitete französi-sche Sprache hatte und grosse Uebung darin erlangte. In den erstenLebensjahren Friedrich's war seine Körperconstitution und Gesundheitschwach, gab wenig Hoffnung auf langes Leben und hatte eine gewisseTiefsinnigkeit zur Folge. Eine enge Freundschaft verband ihn von seinerKindheit bis zum Tode mit seiner älteren Schwester Friederike Wilhel-mine. Die Königin, seine Mutter, die eine besondere Neigung zurWohl-thätigkeit hegte, entwickelte in Friedrich von seiner Kindheit an dieGefühle des Mitleids und der Barmherzigkeit, die in seiner Seele tiefeWurzel fassten.
§.2.Das Knabenalter (1719—1726).
Nachdem er das siebente Lebensjahr erreicht hatte, wurde die weib-liche Erziehung durch eine männliche ersetzt und vom Könige demGenerallieutenant Grafen Finkenstein und seinem Gehülfen, dem Majorvon Kalkstein anvertraut. Der siebenjährige Friedrich wurde militärischeingekleidet und nach damaliger Mode in Locken und Zopf frisirt; auchwurde zur Erlernung von militärischer Haltung, Marschiren, Gewehr-han dgriffen und Evolutionen geschritten, zu welchem Zwecke schon imJahre 1717 eine Cadetten-Compagnie errichtet worden war, welche in derFolge bis auf ein Bataillon vergrössert wurde. (Der Cadet Renzel lehrteFriedrich die militärische Haltung, das Marschiren und die Gewehrhand-griffe.) Zwölf Jahre alt kannte Friedrich ausgezeichnet bereits alle Klei-nigkeiten und Finessen des Frontedienstes und commandirte auf Wacht-paraden. Im vierzehnten Lebensjahre wurde er zum Hauptmann und imfünfzehnten zum Major befördert und erfüllte während der ganzen Zeit,den Uebrigen gleich, die Pflichten des Frontedienstes.
Gleichen Schritt damit hielten auch seine geistige Ausbildung undseine moralische Erziehung, nach einer vom Könige selbst seinen Be-griffen und Grundsätzen gemäss ertheilten Instruction eingerichtet.Der Unterricht in der Religion, der an der Spitze stand, war seiner