Einleitung. XLlii
der historischen Wahrheit. Wenn spätere Forschungen bisweilen andere Re-sultate als die von Friedrich gewonnenen aufweisen, so ist die Ursache davonnur in der Unzulänglichkeit des Materials und dessen Bearbeitung bei Friedrichund nicht in eigennützigen Absichten zu suchen. Thiers sagt in seiner : »Histoiredu Consulat et de l'Empire«, dass die historischen Schriften Friedrich's, ungeachtetihres mangelhaften Stiles, hinsichtlich der Politik seinerzeit besonders belehrendsind, und dass derjenige, der den Gegenstand ganz erfasst, hauptsächlich dazuberufen ist, über denselben zu schreiben. Ferner sagt der General Troschke,dass, wenn der Trabanten einer solchen Sonne wie Friedrich, Guibert's, Gui-chard's, Tempelhofs und anderer Geschichtsschreiber seiner Zeit, nur leichthinerwähnt wird, so müssen solche Specialisten, wie Gribeauval in der Artillerieund Montalembert in der Ingenieurkunst, unstreitig denjenigen ersten Gradesgleichgestellt werden.
Schliesslich sagt General Troschke, dass sich in Deutschland nach demTode Friedrich's eine Opposition gegen sein System gebildet habe, die durchdie beredte Feder des talentvollen Bärenhorst besondere Stärke und Einflusserlangte. Er und seine Schule widersetzten sich besonders dem das freie geistigeLeben tödtenden Einflüsse, welcher mit der übermässigen Nachahmung desSystems Friedrich's verbunden sein musste. Sie warnten davor, nur Rettungausschliesslich in den Formen zu suchen, denen Preussen durch die SiegeFriedrich's verpflichtet war, die sich aber gegen andere Gegner als unzuläng-lich erweisen könnten. Dieselben Schriftsteller haben wesentlich zur Anerken-nung der neuen zum Vorschein gekommenen Kräfte, welche in neuen Formenden früheren veralteten entgegentraten, beigetragen. Auf der Seite dieserSchule stand auch Scharnhorst, der am Ende des 18. und am Anfange des19. Jahrhunderts einen so mächtigen Einfluss auf die Wiedergeburt des neuengeistigen militärischen Lebens in Preussen hatte.
Diese richtigen Gedanken und Urtheile des Generals Troschke können alsGrundlage dienen und das wahre Maass zur richtigen Abschätzung des Cha-rakters und Geistes der Militär-Literatur überhaupt und speciell der militärisch-historischen dieser Zeitperiode geben. Fast in allen oben angeführten Ab-theilungen stehen an der Spitze Friedrich der Grosse und seine historischen,politischen und militärischen Schriften jeglicher Art. Alle übrigen Schriftstellerund Schriften, von den allerbedeutendsten bis zu den geringsten gruppirensich um Friedrich und seine Schriften, ganz so wie um die Sonne ihre Tra-banten, von dieser Licht und Glanz in grösserem oder geringerem Gradeentlehnend und von sehr verschiedenem, grösserem oder geringerem Werthe.An erster Stelle unter ihnen müssen genannt werden von den preussischenSchriftstellern: Tempelhof, Dohna, Herzberg, Bärenhorst, Scharnhorst, Bülow,Lossau, Clausewitz, Varnhagen von Ense, Canitz, Preuss, Kutzen; von denösterreichischen und deutschen : der Prinz de Ligne, Schels, Fäsch, Meynert;von den englischen: Lloyd; von den französischen: Voltaire, Guibert, Gri-