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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
Entstehung
Seite
XLII
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XLII Einleitung.

Bewegung ganz auf Seiten Prankreichs war, muss man doch ihren Mittel-punkt in Deutschland und in Preussen, in der Persönlichkeit seines grossenKönigs, anerkennen. Das ganze System seiner Taktik, welche auf Vervoll-kommnung des Feuerns und auf schnelle Deployirung langer Linien begründetwar, seine Kunst der Truppenverpflegung, besonders aber die eiserne Disciplinseiner Armee, wurden Gegenstand der Nachahmung, wobei jedoch grössten-theils ausser Acht gelassen wurde, dass diese Formen nur einen Werth mittelstdes sie belebenden Geistes haben konnten, und ohne diesen die Kriegskunst zuschnellerem und tieferem Falle führen mussten. Was Friedrich den Grossenselbst betrifft, so muss er mit Fug und Recht in allen Beziehungen als Militär-schriftsteller anerkannt werden. Fast alle Zweige der Militärwissenschaftensind von ihm, fast immer und in Allem in rein praktischer Hinsicht, bearbeitetworden. Dies mochte ihm um so mehr nöthig erscheinen, weil der bekanntefranzösische Militärschriftsteller Folard, dessen Geist Friedrich in seiner eigenenSchrift: »Esprit du Chevalier de Folard«, schildert, in gewisser Hinsicht einerphantastischen Richtung folgte, welche auch dem Marschall Graf von Sachsenin seinen Reveries nicht ganz fremd war. Daher erachtete es denn auch Fried-rich für nöthig, seinen Reglements, Instructionen und anderen militärischenSchriften, in welchen sich um so treffender der Widerschein seines Genies ab-spiegelt, den Stempel einiger praktischer Nüchternheit oder Einfachheit auf-zudrücken. Besonders eigen ist es dem damaligen Jahrhunderte, dass das mi-litärische Wissen überall im hohen Grade als eine geheimnissvolle Lehre an-erkannt wurde. Sie wurde als Grundlage des militärischen Könnens erachtet,anders gesagt: »ich weiss« hiess »ich kann«, und Niemand zweifelte daran,dass wer mehr wusste, diesem auch der Erfolg sicherer war. Und dazu kamnoch das Streben hinzu, so viel als möglich seinen Gegner von dieser Artdes Wissens fern zu halten, was zu erreichen nur dadurch möglich schien,dass dieses Wissen aufs Sorgfältigste geheim gehalten wurde. Auf diese Weisewaren alle damals Lebenden noch weit von der Ueberzeugung entfernt, dass eingegenseitiger Austausch des Wissens reichlich das Geheimhalten desselben er-setzt und das höhere Wissen seinen vollen Werth nur unter der Bedingungeiner ganz freien und offenen geistigen Thätigkeit erlangt. Als Beispiel dafürdient die berühmte »Instruction Friedrich's IL an seine Generäle«. Als eineungewöhnliche Begebenheit wurde es anerkannt, dass ein Exemplar dieser In-struction zufällig in die Hände der Feinde fiel (s. oben S. XXII) . Noch währenddes siebenjährigen Krieges wurde diese in französischer Uebersetzung allgemeinbekannt. In den Uebersetzungen aus dieser Sprache ins Deutsche haben sicheinige Entstellungen eingeschlichen, bis endlich bedeutend später das deutscheOriginal herausgegeben wurde. Die allerbeste Bearbeitung der Instruction ge-hört dem General Scharnhorst an. Wenngleich Friedrich als Geschichts-schreiber seinem Lehrer und Leiter Voltaire in der angenehmen und schönenSchilderung nachsteht, so übertrifft er ihn doch in der strengen Parteilosigkeit