X. Turenne. 221
sahen sie, dass der Feind es in Brand gesteckt und, nachdem er gegen 30 Es-cadrons Reiterei vorgeschoben, von ihnen gedeckt, sich zurückzog. Der diekaiserlichen Truppen befehligende Feldmarschall Graf Holzapfel und GrafGronsfeld, der die baierischen commandirte, hatten aus Besorgniss, von Augs-burg abgeschnitten zu werden, in der That noch in der Nacht den Rückzugangetreten und zwar in folgender Ordnung : an der Spitze die beiden Armeen,hierauf der ganze Train und endlich die Nachhut unter dem Befehl Monte-cuculi's, 1600 Mann Reiterei, 800 Musketiere und 4 Geschütze. Der Rückzuggeschah auf einem waldigen und sumpfigen Terrain, auf dem der Train nurmit Mühe und äusserst langsam sich fortbewegen konnte. Um 7 Uhr Morgensgriff der Vortrab der französischen Reiterei die Arrieregarde Montecuculi's mitUngestüm an, und obgleich derselbe, durch Holzapfel mit 500 Mann Muske-tieren, 400 Mann Reiterei und zwei Geschützen verstärkt, den Wald und dieSümpfe geschickt und aufs Hartnäckigste vertheidigte, so wurde docli durchden heftigen Andrang der an Zahl überlegenen Franzosen Montecuculi's Reitereiin die grösste Verwirrung gebracht und in die Flucht geschlagen, wobei Holz-apfel selbst ums Leben kam und Montecuculi sich nur mit Mühe vor der Ge-fangenschaft rettete. Während die Franzosen die Arrieregarde von hinten be-drängten, schickte Wrangel seine Reiterei ab, sie von beiden Seiten zu umgehen,wodurch sie völlig abgeschnitten wurde, zu einer Zeit wo das feindliche Heer,durch den im Walde und in den Sümpfen steckenden Train von ihr getrennt,ihr nicht im Mindesten beistehen konnte. Die Franzosen und Schweden erbeu-teten bei dieser Gelegenheit 8 Geschütze, viele Standarten, Bagagewagen undGefangene. 1300 Musketiere wurden zerstreut und grösstentheils getödtet odergefangen genommen. Die feindliche Reiterei schlug sich nur mit Mühe zu ihrerArmee durch, die von den Franzosen und Schweden hart gedrängt, erst beiAnbruch der Nacht hinter dem Flüsschen Schmutter in der grössten UnordnungStellung nahm. Turenne und Wrangel, die Ankunft ihrer Artillerie erwartend,bemühten sich, den Uebergang über die Schmutter zu forciren, wurden aber,sogar nach Ankunft ihrer Artillerie, durch den hartnäckigen Widerstand derfeindlichen Reiterei unter dem Oberbefehl des Herzogs Ulrich von Würtemberg,daran gehindert. Da es schon dunkel zu werden begann und die Infanterienoch zurück war, so beschloss man, den Angriff am 18. Mai mit Tagesanbruchzu erneuern, während die Artillerie den ganzen Abend hindurch den sicli jen-seits des Baches befindenden Feind beschoss. In der Nacht jedoch zog sich daskaiserliche und bairische Heer unter dem Feldzeugmeister Grafen Fermmonund dem Grafen Gronsfeld unter die Kanonen Augsburgs hinter den Lech zu-rück, nachdem es 2300 Mann an Todten, Verwundeten und Gefangenen, 8 Ge-schütze, 6 Standarten und 353 Bagagewagen verloren. Der Verlust der Fran-zosen und Schweden ist nicht bekannt, kann aber auch nicht unbedeutendgewesen sein. Den 9. Mai rückten Turenne und Wrangel gegen Rain. DieBaiern verbrannten die Brücke über den Lech und bezogen dieselbe Position,die Tilly 1G32 inne hatte, gingen aber, nach einer von beiden Seiten unter-