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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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220 Beilagen.

gegen den Main, entsetzte unterwegs Frankenthal, eroberte das Sehloss Falken-stein zurück, überschritt in Oppenheim mittelst einer Schiffsbrücke den Rheinund bezog im Januar 1648 in den hessen-darmstädtischen Besitzungen aus-gedehnte Quartiere. Da aber die Schweden noch einiger Zeit bedurften, umsich wieder vollzählig zu machen, sich auszurüsten und sich, wie es nöthig war,zu organisiren, zog sich Turenne einstweilen nach Strassburg zurück.

Der Feldzug von 164 8. Nachdem Wrangel ihn endlich benachrichtigt,dass er zur Vereinigung mit den Franzosen auf dem rechten Rheinufer bereitsei, überschritt Turenne diesen Strom bei Mainz und stiess in Franken zuWrangel. Die Franzosen hatten 4000 Mann Infanterie, 4000 Mann Reitereiund 20 Geschütze, die Schweden 45000 Mann Infanterie und 89000 MannReiterei, zusammen also 89000 Mann Infanterie, 1213,000 Mann Reiterei;im Ganzen 2022,000 Mann Truppen und gegen 40 50 Geschütze (soschwach waren die vereinigten Heere der Franzosen und Schweden, doch ihreKraft bestand in ihren Heerführern). Turenne, der dem Kurfürsten von Baiernvorher schon schriftlich angezeigt, dass er gegen ihn als einen Feind Frank-reichs operiren werde, ging, mit Wrangel vereint, über den Main und folgte dersich gegen die Donau zurückziehenden kaiserlich-bairischen Armee, die end-lich bei Ingolstadt ein Lager bezog. Zwischen Turenne und Wrangel entspannsich zwar eine Meinungsverschiedenheit, die aber im Uebrigen ihren gegen-seitigen freundschaftlichen Verhältnissen nicht den geringsten Abbruch that.Wrangel hatte nämlich die Absicht, sich gegen die Oberpfalz zu wenden, wäh-rend Turenne der Meinung war, dass es nicht räthlich sei, sich zu sehr vonSchwaben zu entfernen, wo man keinen Mangel an Lebensmitteln leiden würde,während die Pfalz verwüstet sei. In Folge dessen begab sich Turenne nachFranken in das Bisthum Bamberg, wobei er bestrebt war, sich nicht zu weit vonden Schweden zu entfernen, weil er vorhersah, dass sie allein nicht nach Böh-men gelangen würden. In der That näherte sich Wrangel seinerseits Turenneund vereinigte sich mit ihm bei Rothenburg an der Tauber. Beide marschirtennun nach Würtemberg, wo sie weitläufige und gute Quartiere bei Reutlingenund Göppingen bezogen. Als sie drei Wochen darauf erfuhren, dass die feind-liche Armee in der Umgebung Ulms sich befand, marschirten sie dorthin. Wäh-rend dieses Marsches nahm die feindliche Armee Stellung zwischen Lauingenund Augsburg bei Zusmarshausen 23 Meilen (1421 Werst) von der Donau.Nun rückten Turenne und Wrangel gerade auf Lauingen los, unternahmen mit3000 Mann Reiterei eine Schleichrecognoscirung am rechten Donauufer bisZusmarshausen, durch die sie entdeckten, dass die feindliche Armee sich inder grössten Sorglosigkeit befinde und ihre Pferde weiden lasse, ohne Vorpostenausgestellt zu haben, ja sich nicht einmal durch Reiterpatrouillen decke. Natür-lich beschloss man, sie unverzüglich zu überfallen. 3000 Mann Reiterei wurdenzurückgelassen, während beide Heere den Befehl zum Vormarsch erhielten.Den I 7. Mai 2 Uhr Morgens waren sie zur Stelle und gingen in Colonnen vor,die französische Infanterie an der Tete. Bei Annäherung ans feindliche Lager