X. Turemie. 219
Ordre der Königin - Regentin zu gehorchen. Nachdem er von dem FeindeHöchst, Steinheim, Aschaffenburg und andere in der Nähe des Rheins gelegeneOrte zurückerobert hatte, überschritt er bei Philippsburg diesen Pluss undmarschirte in der Richtung zwischen Strassburg und Zabern. Die deutschenReiterregimenter der frühern weimarischen Armee, der General Rosen an derSpitze, weigerten sich weiter zu gehen, bevor ihnen der seit sechs Monatenrückständige Sold ausgezahlt worden. Turenne, der nicht im Stande war, ihreForderung zu erfüllen, sah sich genöthigt, mit einem Theile der französischenTruppen zurückzukehren. Obgleich er es wohl gekonnt hätte, so wollte er den-noch die .Meuterer nicht angreifen, als sie in Unordnung über den Rhein nachEttlingen (acht Stunden von Philippsburg) zurückgingen, sondern marschirtezwei Tage mit ihnen und suchte sie wie auch Rosen selbst auf alle mögliche Weise,doch vergebens zu begütigen, weshalb er endlich aus Philippsburg 100 Mus-ketiere berief, Rosen in Ettlingen festnahm und ihn nach Philippsburg schickte.Ein Theil der Meuterer unterwarf sich ihm, doch der grösste Theil von ihnenmarschirte nach Königshofen und Arnstein. Turenne folgte ihnen mit allenOfficieren und einigen Escadronen, griff sie an und machte 300 Manu zu Ge-fangenen ; 200 Mann wurden getödtet, die übrigen zerstreuten sich, währendein grosser Theil von ihnen in schwedische Dienste trat. Nachdem er hierdurchviel Zeit verloren, completirte und organisirte Turenne, so gut es sich thunHess, die Reste der weimarischen Regimenter, kehrte zurück und marschirtemit seiner ganzen Armee in das Luxemburgische, nachdem er einen Theil seinerReiterei nach Frankreich vorausgeschickt hatte. Bald darauf erhielt er vomfranzösischen Hofe den Befehl, nicht weiter vorzudringen, sondern durch dieEroberung einiger kleinen unbedeutenden Orte die Aufmerksamkeit des Feindesauf sich zu ziehen. In Folge dessen detachirte der Feind 5—6000 Mann Trup-pen gegen Turenne, wodurch er die Hauptmacht seines Heeres schwächte.Hierauf beschränkten sich die Vortheile der traurigen Politik Mazarin's, durchdie dem Feinde Gelegenheit geboten wurde, freier aufathmen zu können, dieganze französische Armee während des Feldzuges des Jahres 1647 nutzlos ver-wendet wurde, ein grosser Theil der weimarischen Regimenter verloren gingund die verbündeten Schweden in eine schwierige und gefährliche Lage ge-bracht, geschlagen und zum Rückzuge zur Weser genöthigt wurden! In diesemFalle, wie in vielen anderen, war dies die Folge davon, dass der Krieg unddie Kriegsoperationen von Menschen geleitet wurden, die weder von dem Einennoch von dem Andern einen Begriff hatten, sondern dieselben, wie die Franzosensagen, auf Grundlage der »opinions de robe« d. h. bürgerlichen Begriffe leiteten.Inmitten dieser unfreiwilligen und kränkenden Unthätigkeit im Luxemburgischen,erfuhr Turenne, dass der Kurfürst von Baiern sich wiederum mit dem Kaiservereint und den Schweden nicht nur alle von ihnen eroberten Ländereien wiederabgenommen, sondern sie sogar bis ins Braunschweigische zurückgedrängt habe.Nun erst gab ,der französische Hof Turenne den Befehl, mich Deutschlandzurückzukehren und zu den Schweden zu stossen. Turenne rückte sofort rasch