X. Turenne. 217
gen, die Belagerung aufzuheben und sich nach Lauingen zurückzuziehen, dassie befestigten und bei dem sie ein Lager bezogen. Der Erzherzog setzte aufdas linke Ufer des Lech über und rückte gegen Memmingen an der mittlerenHier. Dies liess Turenne vermuthen, dass der Erzherzog, indem er sich gegenUlm, Tübingen und Heilbronn bewegte, die Absicht habe, die Franzosen undSchweden durch Manöver von Lauingen nach Franken zurückzudrängen, wo-durch der ganze Feldzug für sie nutzlos gewesen wäre , indem sie auf dieseWeise für den Winter nirgend Ruhe gefunden hätten und der Mittel, sich zumnächsten Feldzuge vorzubereiten, beraubt worden wären. Dieses .war um so ehermöglich, da das Heer des Erzherzogs dem ihrigen an Zahl überlegen und auchmit allem Nöthigen besser verseilen war. In der Ueberzeugung, dass von ihrerHandlungsweise unter diesen Umständen der Ausgang der ganzen Krieges inDeutschland abhängig war, entschlossen Turenne undWrangel sich, dem Feindegerade entgegen zu rücken und ihn entweder anzugreifen oder je nach denUmständen in seiner Nähe zu operiren. Den 5. November drangen sie vonLauingen gegen Memmingen vor und näherten sich Tags darauf dem feindlichenLager bei Kirchheim, das in Her Fronte durch Sümpfe und Schluchten gedecktwar. Nachdem sie 2000 Mann Reiterei vor demselben aufgestellt, rückten sievom Feinde unbemerkt den 7. November links gegen Landsberg, bemächtigtensich der Lechbrücke bei diesem Orte, sowie der dort aufgespeicherten grossenMagazine, nahmen ihre Stellung im Rücken des Erzherzogs und entsandten 3000Mann Reiterei gegen München. Das erweckte die Besorgniss des Kurfürstenvon Baiern, erregte seine Unzufriedenheit mit dem Erzherzoge und den bairischenGeneralen und wurde die Ursache des von ihm geschlossenen Separatfriedens.Nun war der Erzherzog gezwungen, zwischen Augsburg und Rain nicht ohneMühe sich hinter den Lech zurückzuziehen und von dort mit den kaiserlichenTruppen sich nach Regensburg zu begeben, die bairischen dagegen in Baiernzurückzulassen. Die französischen und schwedischen Truppen blieben bis zum23. November auf dem rechten Ufer des Lech, begaben sich darauf von Lands-berg nach Memmingen und bezogen der besseren Verpflegung wegen ausgedehnteQuartiere, die französischen bis zur Donau und die schwedischen bis zum Boden-see. Hierbei besetzten die Ersteren das Tübinger Schloss, die Anderen erobertenBregeuz und Meinau, konnten aber Lindau nicht nehmen. Turenne undWrangelgriffen an der Spitze von 6000 Mann Reiterei eine feindliche Heeresabtheilung,die sich bei Rain gesammelt hatte, an und warfen sie, doch nur mit grossem eige-nen Verluste. Unterdessen eröffneten die französischen und schwedischen Bevoll-mächtigten einerseits und die bairischen anderseits den Congress zu Ulm. ImMärz des folgenden Jahres 1647 wurde ein Vertrag geschlossen, dem zufolge derKurfürst von Baiern sich vom Kaiser lossagen musste, Lauingen, Gundelfingen,Hochstädt, Ulm und Donauwörth von den Franzosen besetzt blieben und Mem-mingen, Ueberlingen und ein Theil des linken Lechufers von den Schweden ').
*) Um sich umständlicher die hier angegebenen Operationen Turenues undWrangel's zu vergegenwärtigen, ist es nöthig, sie mit der kurzen Beschreibung im