216 Beilagen.
den Rückzug nach Würtemberg, zum Neckar und zur Donau abzuschneiden.Zu diesem Zwecke schickten sie 100Ü Kürassiere und 500 Dragoner voraus,um sich des Ueberganges über die Nidda bei Bonames zu bemächtigen, und alsdieses geschehen, rückten Tags darauf mit dem Grauen des Morgens die schwe-dische und die französische Armee in einem Flankenmarsch gegen Bonamesrechts beim Heere des Erzherzogs vorüber, das wohl sich ins Gewehr stellte,sonst aber nichts Ferneres unternahm. Nachdem sie bei Bonames die Niddaüberschritten und die vom Erzherzog ihnen entgegengesandte Reiterei unterGeneral von Werth zum Rückzug gezwungen, erreichten Turenne und Wrangelgegen Abend Buchheim (bei Weihenbuchen) zwischen Frankfurt und Hanau,rückten von dort gegen Windecken am Flüsschen Nidder, das sich in die Niddaergiesst, im Rücken der feindlichen Armee, und schnitten durch die BesetzungWindeckens den Feind gänzlich vom Main ab. Der Erzherzog, dem jetzt derRückzug nach Franken, Schwaben und Baiern abgeschnitten war, beschloss, sichin die hessischen und von dort in die kölnischen Besitzungen, im Falle einer Ver-folgung aber sich nach Westphalen zu begeben, um Turenne und Wrangel aufdiese Weise nach Norden zu ziehen und dadurch Baiern und Schwaben von ihnenzu befreien. Der Erzherzog hatte sich jedoch in seinen Voraussetzungen getäuscht;während er nach Norden gegen Friedberg sich bewegte und dadurch seineAbsichten theilweise enthüllte, rückten Turenne und Wrangel rasch gegenAschaffenburg und überschritten hier den Main, wobei Turenne noch die fran-zösische Garnison von Mainz an sich zog. Napoleon I. sagt von diesem ge-schickten Manöver, »es sei voller Kühnheit und Weisheit gewesen« (pleine d'au-dace et de sagesse). Da sie nun nichts mehr vom Feinde, der weit hinter ihnenzurückgeblieben war, zu befürchten hatten, rückten die Schweden und Franzosenjetzt bereits in zwei Colonnen weiter, drei bis sechs Meilen (21—42 Werst),von einander entfernt, die Ersteren rechts auf Schorndorf und Lauingen an derDonau, die Letzteren nach Nördlingen und Donauwörth, gleichfalls an der Do-nau, nahmen diese Städte, überschritten die Donau und fanden dort reichhalti-gen Vorrath an Lebensmitteln*. Von der Donau schickte Turenne 500 MannReiterei nach Augsburg, um diesen Ort zu besetzen, und wollte sich selbst dort-hin begeben, als er von Wrangel zu Hülfe gerufen wurde, der, nachdem er denLech überschritten und Rain blokirt hatte, dort auf hartnäckigen Widerstandgestossen war. In Folge dessen begab sich Turenne nach Rain, verlor aberdadurch Augsburg, dessen Besetzung dem Feinde gelang, während der Erz-herzog, der sich wieder nach Süden gewendet, Zeit hatte, sich der Donau unddem Lech zu nähern. Nun beschlossen Turenne und Wrangel, über den Lechzurückzugehen und noch vor der Ankunft des Erzherzogs Augsburg zu be-lagern und zu erobern. Trotzdem dass dieser Plan schnell und mit Umsicht aus-geführt wurde und die Belagerungsarbeiten auf dem linken Ufer des Lech biszum Hauptgraben vorgeschritten waren, gelang es dem Erzherzoge über Fran-ken und die Ober-Pfalz an dem rechten Ufer des Lech bis Augsburg vorzu-dringen und durch das Feuer seiner Artillerie Turenne und Wrangel zu zwin-