X. Turenne. 215
land geführt Seine Absicht war nämlich, sich mit dem Heere Wrangel's, dasin Niedersachsen und Hessen operirte, zu vereinigen und zusammen gegen dasbis dahin zwischen ihnen stehende kaiserliche und bairische Heer offensiv auf-zutreten, — ein kluger und durchdachter Plan, der vom Cardinal Mazarin ge-nehmigt wurde. Turenne kam Anfangs mit Torstenson und darauf mit Wrangelüberein, dass die schwedische Armee über Hessen und die französische überNassau einander zur Vereinigung entgegenrücken sollten. Als Turenne im Maieben begann, über den Rhein bei Bacharach eine Schiffsbrücke zu schlagen, HessCardinal Mazarin ihm sagen, dass er den Rhein nicht überschreiten solle, weilder Kurfürst von Baiern versprochen, er wolle für den Fall, dass die Franzosenden Rhein nicht überschritten, sein Heer mit den kaiserlichen Truppen nichtvereinigen. Zugleich erfuhr Turenne, dass man in Versailles die Belagerungvon Luxemburg beabsichtige. Wenn Turenne dies auch dem Interesse Frank-reichs in Deutschland nicht entsprechend fand, so blieb ihm doch nichts anderesübrig, als den erhaltenen Befehl zu erfüllen. Bald darauf aber wurde bekannt,dass der beständig wankende Kurfürst von Baiern sich trotzdem dem kaiser-lichen Heere angeschlossen habe und mit ihm gegen die Schweden vorrücke unddass das entgegengesetzte Versprechen nur deshalb gegeben worden, um dieFranzosen jenseits des Rheines zurückzuhalten. Jetzt war nicht mehr daranzu denken, den Rhein bei Bacharach zu überschreiten und von da in geraderRichtung sich mit den Schweden zu vereinigen, sondern man musste einen an-deren weiteren Umweg wählen. Mit der Genehmigung Mazarin'8 entsandteTurenne einige Regimenter nach Mainz, ging durch eine Furt über die Mosel ineiner Entfernung von fünf bis sechs Stunden von Koblenz und rückte in Eil-märschen durch das Kurfürstenthum Köln gegen Wesel, wandte sich von danach Lippstadt, wobei er mit Wrangel einen beständigen Briefwechsel unterhielt,um mit ihm über das Wo und Wann der Vereinigung übereinzukommen. So eiligTurenne auch vordrang, so verging doch ein ganzer Monat bis zu seiner Ver-einigung mit Wrangel, und im Laufe desselben hätte Wrangel oftmals geschlagenwerden können, hätte er nicht immer geschickt Solche Positionen gewählt, dienach damaligen Begriffen so stark waren, dass der Feind ihn hier nicht anzu-greifen wagte, sondern sich nur auf unbedeutende Scharmützel beschränkte.Als die feindlichen Generale erfuhren, dass die schwedische und die französischeArmee sich einander näherten, zogen sie sich zwei bis drei Meilen zurück undbezogen ein Lager bei Friedberg. Turenne, der sich endlich in Hessen mitWrangel vereinigt ^6—7000 Mann Infanterie, 10,000 Mann Reiterei und 60 Ge-schütze; , rückte bald darauf gegen die kaiserlich - bairische Armee unter Erz-herzog Leopold Wilhelm, die in einer vortheilhaften und starken Position beillbenstadt und Burggrafenrode hinter der Nidda Stellung genommen, in derihn anzugreifen Turenne und Wrangel nicht für rathsam hielten, weshalb sie inder Nähe des vom Feinde besetzten Friedbergs ein Lager bezogen. Die beidenim besten Einverständnisse mit einander stehenden Generale beschlossen, denlinken Flügel des Feindes zu umgehen, ihm am Mab zuvorzukommen und ihm