214 Beilagen.
französische Infanterie erwies, die, wenn sie auch gut angriff, einmal geworfen,sogleich die Flucht ergriff und sich dermassen zerstreute, dass es fast unmöglichwurde, sie von Neuem zu sammeln. Nach dem Kückzuge der feindlichen Armeewollte Conde Nördlingen angreifen, doch die Bürger und die Besatzung (400Mann) ergaben sich, wobei der Letzteren freier Abzug ohne Waffen gewährtwurde. Turenne verfolgte mit der Reiterei den Feind bis Donauwörth undkehrte dann wieder zum Hauptheer zurück. Nach einigen Tagen Erholungmarschirten Conde und Turenne gegen Dinkelsbühl, das sich ihnen ergab. DieseBewegung wird in Turenne's Memoiren dadurch erklärt, dass der Zustand desHeeres sowohl als auch der Geldmangel die Annäherung an den Neckar undRhein nöthig machte. Conde erkrankte und verliess das Heer, den Oberbefehlüber dasselbe übergab er dem unterdess ausgelösten Marschall Grammont, dermit Turenne vereinigt blieb. Beide rückten nun gegen Heilbronn vor ; doch alses ihnen nicht gelang, den Ort zu nehmen, so setzten sie ihren Marsch gegenSchwäbisch-Hall fort in der Absicht, den Feind über die Donau zurückzudrän-gen, um dann ihre Winterquartiere in Schwaben zu beziehen. Das bairischeHeer, das mittlerweile durch 6 — 7000 Mann kaiserlicher Reiterei verstärktworden war, rückte aber gegen Donauwörth vor, und dies zwang Turenne undGrammont, gegen den Rhein und Neckar sich zurückzuziehen. Nachdem sieinWimpfen eine Garnison von 600 Mann zurückgelassen, passirten sie hier denNeckar, und zwar bei solcher Flusstiefe, dass die Soldaten hindurch schwimmenmussten, wobei einige Menschen ertranken und etliche Wagen verloren gingen.Hierauf zogen die französischen Heere sich auf Philippsburg, wohin die bairi-sche Armee ihnen nachrückte. Turenne sammelte ohne Verzug die Truppenund begann zwischen den Werken Philippsburgs und dem Rhein ein befestigtesLager zu errichten und Hess die Reiterei nebst dem Gepäck auf Fahrzeugen vomrechten auf das linke Ufer übersetzen. Unter diesen Umständen gingen dieBaiern nach Wimpfen zurück und bezogen bald darauf die Winterquartiere.Grammont begab sich mit seinem Heere nach Frankreich, Turenne aber rücktemit den Truppen, die er zur Hand hatte, gegen Trier, eroberte es binnenzweier Tage, übergab es dem Kurfürsten von Trier, dem Verbündeten Frank-reichs, belagerte und erstürmte das Schloss Ober-Wesel, worauf er seine Armeelängs dem RJiein und der Mosel in Winterquartiere legte und sich selbst nachParis begab. „So endete dieser Feldzug, der dadurch bemerkenswert!! ist, dasser nicht einzig aus Belagerungen und Blokaden von Festungen bestand, wie diemeisten Feldzüge der damaligen Zeit, sondern aus thätigen und geschicktenManövern im Felde und aus entschlossenen Operationen, die den Kampf zumZwecke hatten, zu dem es denn auch oft genug kam. Das Missgeschick, das dieFranzosen bei Mergentheim erlitten, wurde durch die Schlacht bei Aller heimund andere wieder gut gemacht, so dass im. Allgemeinen der Erfolg diesesFeldzuges auf der Seite Conde s und Turenne's war.-
Der Feldzug im Jahre 1646. Dieser Feldzug wurde schon nach Turenne'seigenem Plane, vereint mit dem schwedischen Heere unter Wrangel, in Deutsch-