X. Turenne. 213
Hauptmacht, welche die Reiterei auf den Flügeln hatte. Beide französischenHeere begannen gegen Mittag vorzudringen, brauchten jedoch unbegreiflicherWeise zu ihrer Aufstellung vier Stunden, worauf sie endlich das Dorf Allerheimangriffen, dabei aber durch das Feuer der bairischen Artillerie mehr verloren,als die Baiern durch die Artillerie der Franzosen (und zwar, weil ausser derschwedischen die Feldartillerie der übrigen Heere äusserst unbeholfen war).Der Artillerie folgte die Infanterie in zwei Linien, hinter der die Reiterei diedritte Linie bildete. Nun entspann sich im Dorfe selbst ein hartnäckiger undmörderischer Kampf, durch den beide Theile grossen Verlust erlitten und inwelchem Mercy fiel. Bald nahm die Schlacht eine unerwartete Wendung. Diefeindliche Reiterei des linken Flügels unter General Johann von Werth griff diefranzösische Reiterei des rechten Flügels an, warf und verjagte sie, wobei Mar-schall Grammont gefangen wurde. In dem Augenblicke, als die französischeInfanterie nebst der hinter ihr befindlichen Reiterei aus dem Dorfe Allerheimgeworfen wurde und sich zur Flucht wandte, ging Turenne mit der Reiterei deslinken Flügels zum Angriff vor, warf die erste Linie der feindlichen Reitereides rechten Flügels auf die zweite, und obwohl hierauf etwas zum Weichen ge-bracht, ging er in der grössten Ordnung zurück und nur so lange bis die hessi-schen Truppen zu ihm stiessen, worauf die ganze feindliche Reiterei wiederumzurückgeworfen und gänzlich geschlagen wurde; zugleich wurde auch ihre In-fanterie aufs Energischeste angegriffen, wobei General Geleen in Gefangenschaftund alle hier befindliche Artillerie in die Hände der Franzosen gerieth. Anstattschräg abzuschwenken und Turenne in den Rücken zu fallen, wandte sich dervon der Verfolgung der französischen Reiterei des rechten Flügels zurück-kehrende General von Werth gegen seine anfängliche Position, von der aus ei-erst das Dorf Allerheim von hinten umging, und dadurch viel zu spät ankam.Schon wurde es Nacht, und die linken Flügel beider Heere befanden sich aufihren anfänglichen Positionen, nur dass der von Turenne befehligte über dasDorf Allerlieim hinaus vorgedrungen war, weshalb die in demselben stehendefeindliche Infanterie in dem Glauben, dass sie abgeschnitten sei, sich ergab,jedoch, nachdem sie das Gewehr gestreckt, freien Abzug erhielt. Nach Mitter-nacht trat die bairische Armee ihren Rückzug an, nicht ahnend, dass die fran-zösische sich in einem ihr ähnlichen Zustande befand. Hätten beide Heere amfolgenden Tage den Kampf wieder aufgenommen, so hätten beide sich der Ge-fahr, geschlagen zu werden, ausgesetzt, allerdings die feindliche mit nochgrösserer Wahrscheinlichkeit, da Mercy getödtet und Geleen gefangen undhinter ihr ein waldiges Defilee gelegen war. Die Franzosen hatten grossen Ver-lust an Mannschaft erlitten, die Feinde dagegen einen grossen Theil ihrer Ar-tillerie eingebüsst. So hatten denn die Franzosen einen Sieg erfochten unddurch denselben für den bei Mergentheim erlittenen Verlust sich Genugtuungverschafft, was sie einzig dem Reiterangriff Turenne's verdankten. Hierbei mussbemerkt werden, dass die' französische Reiterei bei jeder Gelegenheit, sowohlhier als auch früher, sich immer tüchtiger und kampffähiger als die schlechte