X. Turenne. 211
Truppenverstärkungen zu erhalten hoffte, und dann weiter in das Herz Deutsch-lands vorzudringen. Nachdem er seine ganze Infanterie und Artillerie in derNähe von Mergentheim ausgedehnte Quartiere hatte beziehen lassen, entsandteTurenne den General Kosen mit vier oder fünf deutschen Reiterregimenterngegen Rothenburg an der Tauber (zwischen Mergentheim und Feuchtwangen)und vertheilte seine ganze übrige Reiterei, der bequemeren Verpflegung wegen,auf Bitte ihrer Commandeurs in die zwei bis drei Stunden hinter der Infanteriegelegenen Städte. Nicht ganz zufrieden mit seiner Dislocation, nahm er einigeVeränderungen in derselben vor, als er erfuhr, dass die bairische Armee vonFeuchtwangen nach Mergentheim aufgebrochen sei. Rosen erhielt sogleich denBefehl, sich zurückzuziehen und hinter dem vor Mergentheim befindlichen WaldeStellung zu nehmen (in Folge eines Missverständnisses aber nahm Rosen Stel-lung vor dem Walde); der übrigen Reiterei wurde befohlen, sich unverzüglichmit dem Heere zu vereinigen. Unterdessen stellte er die ihm gerade zur Ver-fügung stehende Infanterie (nahe an 3000 Mann), mit zwei Escadronen in derReserve, rechts in das sich daselbst befindende kleine Wäldchen und entsandtedie Reiterei links voraus in einer Linie mit den als Reserve aufgestellten zweiEscadronen. Als die bairische Armee in Schlachtordnung in zwei Linien, dieInfanterie im Centrum, die Reiterei auf den Flügeln, heranmarschärte, griffTurenne mit seiner Reiterei die erste Linie der Reiterei des rechten feindlichenFlügels an und warf sie auf die zweite Linie zurück, während die feindlicheInfanterie auf die französische im Wäldchen losrückte. Nachdem sie eine Salvegegeben, wich die letztere zurück, und in der Fronte, auf den Flügeln und ünRücken angegriffen, ergriff sie die Flucht, in welche sie die hinter ihr befind-liche Reiterei mit hineinzog, während die französische Reiterei des linken Flü-gels nach einem mörderischen Gefechte (in welchem Rosen in Gefangenschaftgerieth und Turenne nur mit Mühe entkam) in gleicherweise flüchtete. Turennesuchte nun Schutz in dem weiter rückwärts gelegenen Walde, hinter welchemer drei eben angelangte frische Reiterregimenter und nahe an 1500. Mann dergeworfenen Infanterie sammelte, um mit ihnen den Angriff zu erneuern. Dadie Infanterie sich jedoch in gänzlicher Auflösung befand, sah Turenne ein, dassan der Sache nichts mehr zu bessern war, weshalb er es fürs Gerathenste hielt,den Rückzug anzutreten. Er schickte deshalb eins jener drei Reiterregimentersammt den Resten seines geworfenen Heeres gegen den Main und die hessischeGrenze und deckte persönlich mit den beiden andern Cavallerieregiraentern denRückzug, den er im beständigen Kampfe mit dem von hinten heftig nachdrän-genden Feinde, nicht ohne Verlust an Leuten und an vielen Standarten undnicht ohne Gefahr für ihn selbst, vollführte. Mit einem Worte —Turenne wargeschlagen, was er auch selbst in seinen Memoiren eingesteht, ohne sich zu•rechtfertigen, wenngleich er an der erlittenen Niederlageweniger Schuld hat,als das Zusammentreffen verschiedener ungünstiger, nicht von ihm abhängenderUmstände. Der für ihn nachtheilige Kampf bei Mergentheim kostete seinerArmee ihre ganze Artillerie, ihre ganze Bagage und gegen 1500 Mann Reiterei
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