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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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X. Turenne. 209

ersten Unternehmens lag weniger an der Schuld Turenne's, als an dem unvoll-kommenen Zustande seiner Truppen, besonders seiner schlechten Infanterie.Unterdessen näherte sich der Herzog von Enghien (in der Folge der berühmteConde) dem Kriegsschauplatze am Oberrhein mit seinem Heer (6000 Mann In-fanterie und 3000 Mann Reiterei), das unter ihm vom Marschall Grammontbefehligt wurde, vereinigte sich den 2. August mit Turenne und griff den 3. Au-gust Abends die bairische Armee Mercy's in der Fronte an, während Turennesie umging und ihren linken Flügel angriff. Nach einem den ganzen Abendund die Nacht hindurch, sowie auch noch den gesammten folgenden Tag (4. Au-gust) anhaltenden hartnäckigen Kampfe zog Mercy sich zurück und nahm eineandere Stellung, in der er seinen rechten Flügel auf Freiburg stützte. Hierkam es den 5. August abermals zu einer blutigen Schlacht, die zufolge der An-ordnungen des Herzogs und Turenne's ohne Zweifel mit der gänzlichen Nieder-lage der bairischen Armee hätte endigen müssen, wenn der die Infanterie desHerzogs befehligende General d'Espeiiant durch seinen unüberlegten Ungestümnicht beide französische Heere, den gegebenen Anordnungen zuwider, in denKampf mit sich fortgerissen hätte, was nur einen ungeheuren Verlust für beideTheile nach sich zog, ohne irgend welche entscheidende Eesultate zu bewirken.Trotzdem zog Mercy sich über den Schwarzwald nach Würtemberg zurück, diefranzösischen Heere folgten ihm, eroberten das Schloss Weisseneck und bemäch-tigten sich eines Theiles seiner Bagage, mussten aber aus Mangel an Proviant,sowie weil sie sich nicht zu weit vom Rhein entfernen durften, nach Freiburgzurückkehren,, das sie trotz seiner schwachen, nur aus 5600 Mann bestehen-den Garnison nicht belagerten, theils weil sie durch den Kampf zu sehr ge-schwächt waren, theils weil sie Mangel an Lebensmitteln litten. Der Herzogvon Enghien hielt es für nöthiger, Philippsburg, das von 6700 Mann Infan-terie und 80 Mann Reiterei besetzt war, den 25. August zu belagern. Währenddieser Belagerung nahmen die Franzosen Germersheim ohne Kampf und besetz-ten Speier, worauf am 9. September die Besatzung von Philippsburg dieseFestung übergab. Tags darauf überschritt Turenne mit der deutschen Reitereiund 500 auserlesenen Musketieren den Rhein, zersprengte ein spanisches De-tachement, machte 500 Gefangene und rückte in Eilmärschen durch Wormsund Oppenheim, die sich ergaben, gegen Mainz, das von Truppen entblösstwar, dem sich aber vom anderen Rheinufer her 1000 bairische Dragoner nä-herten und Einlass in die Stadt forderten. Durch die Drohung, die Stadt un-verzüglich zu stürmen, bewog Turenne das Domcapitel, ihm dieselbe zu öffnen,worauf eine für sie vortheilhafte Capitulation geschlossen wurde und die bairi-sche Reiterei sich zurückzog. Der Kurfürst von Mainz hatte sich schon frühernach Frankfurt begeben und die Franzosen besetzten nun die ganze Umgegendmit Ausnahme des Kreuznacher Schlosses, in dem sich eine schwache feindlicheGarnison befand. Hierauf erfolgte die Belagerung der Festung Landau, die sichden 19. September an Turenne ergab. Nachdem die Franzosen noch einige

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