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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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208 Beilagen.

Seinen Lehrern in der Kriegskunst liess er gerechtes Lob für das, was sieihn gelehrt, zukommen, und zwar in Folgendem: Von seinem Oheim, demPrinzen Heinrich von Oranien, sagte er, habe er erlernt: »die Wahl der Posi-tion zu treffen wie auch die Belagerungskunst und besonders die Kunst, Plänezu entwerfen, dieselben reiflich zu überlegen und bis zum letzten Augenblickihrer Ausführung nichts mehr abzuändern«; vom Herzoge Bernhard, »vomGlücke sich nicht blenden und vom Unglücke sich nicht niederdrücken zu lassen,sich weder selbst zu beschuldigen noch sich Etwas zu vergeben, sondern dieVersehen oder misslungenen Unternehmungen zu verbessern«; vom CardinalLa Valette, »wie nothwendig es ist, dass der Befehlshaber das Leben des Sol-daten im Felde genau kenne und mit seinen Truppen umzugehen verstehe«,und endlich vom Grafen Harcourt, »dass angestrengte Thätigkeit und rascheEntschlossenheit, vereint mit vorläufiger und reifer Ueberlegung, die sicherstenHülfsmittel zur Erreichung glücklicher Erfolge imKriege sind«. Alles dies hatteTurenne sich angeeignet und benutzte es mit eben so viel Geschick als Erfolg.

Mit dem ihm anvertrauten Heere und im Range eines Marschalls beginnter mit dem Jahre 1644 .seine selbständigen Feldzüge. Solcher Feldzüge hater bis zum westphälischen Frieden fünf vollführt, die hier kurz auseinander-gesetzt werden sollen:

Das erste Heer, das Turenne befehligte, befand sich im allertraurigstenZustande. Es war die Oberrhein-Armee, die 1643 sich unter dem Oberbefehldes Marschalls Guöbriant befunden und nach dessen in Folge einer schwerenWunde erfolgtem Tode unter dem Generallieutenant Grafen Eanzau gestandenhatte. Bei Tuttlingen geschlagen, hatte sie viele Generale und Officiere ver-loren, wobei auch 6 7000 Gemeine in Gefangenschaft gerathen waren, ihreArtillerie und Bagage eingebüsst und sich mit Mühe und in der grössten Unord-nung über den Rhein ins Elsass geflüchtet. Eben diese Armee hatte CardinalMazarin, als Beweis seines Vertrauens, Turenne anvertraut, damit er sie re-organisire. Im December 1643 langte Turenne in Colmar an, liess im Januardie Armee Winterquartiere in Lothringen beziehen (weil das Elsass zu sehrverwüstet war) und ergriff alle nur möglichen Massregeln, sie aufs Schnellsteund Beste zu organisiren. In der ersten Hälfte des Mai 1644 sammelte er dieTruppen im Elsass, überschritt mit einem Theil -derselben unweit Breisach denRhein, überfiel an den Quellen der Donau 2000 Mann bairische Reiter desGenerals Mercy, schlug sie in die Flucht und nahm dabei 400 Mann gefangen.Anfang Juli blokirte der bairische Feldmarschall Mercy (Bruder des Generals)mit 16,000 Mann Truppen Freiburg im Breisgau. Turenne concentrirte nunseine kleine Armee (45000 Mann Infanterie, 5000 Mann Reiterei und 20 Ge-schütze), überschritt abermals bei Breisach den Rhein und rückte gegen Frei-burg in der Absicht, das Heer Mercy's zu überfallen; dieses misslang jedoch,und nach kurzem Gefechte wurde er gezwungen, der Uebermacht der bairischenTruppen zu weichen, denen Freiburg sich ergab. Dieser Misserfolg seines