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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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20 1 Beilagen.

nacli Thüringen zur Bestrafung der sächsischen Herzöge und des Landgrafenvon Hessen-Kassel, die sich an Gustav Adolph angeschlossen kam aber hier-durch in eine sehr schwierige Lage. Vor sich hatte er einen Gegner wie GustavAdolph, der sich zudem in einer unnahbaren und unbezwinglichen Stellung be-fand, hinter sich die gegen ihn aufgebrachten Fürsten und die unzuverlässigenVerbündeten Deutschlands, und in seinem Heere den Ungehorsam der ihm unter-gebenen Generale und Truppen, die nur nach Raub und Beute dürsteten, undMangel an Lebensmitteln in einem durch den Krieg verwüsteten Lande.Tilly beschloss, aus Thüringen sich nach Sachsen zu wenden, und rückte, Ver-stärkungen erwartend, gegen Leipzig vor, wurde jedoch von Gustav Adolphbei Breitenfeld energisch angegriffen, wo er zum ersten Male in seiner langenkriegerischen Laufbahn, die 30 Feldzüge aufzuweisen hatte, aufs Haupt ge-schlagen wurde und dieses nicht durch eigene Schuld, sondern durch Pappen-heim's Ungestüm, der eigenmächtig und den erhaltenen Befehlen vollständig zu-widerhandelte. Schwer verwundet und von Kummer gebeugt, zog er sich nachHalberstadt zurück, in der Absicht, sich im nördlichen Deutschland festzu-setzen, um dadurch Gustav Adolph das materielle und politische Uebergewichtüber den Kaiser und die Liga zu entreissen, was an und für sich schon beweist,dass er die damaligen politischen und militärischen Verhältnisse vollkommenrichtig beurtheilte. Doch blieb er machtlos gegenüber dem Ungehorsam der ihmuntergebenen Generale und gegen die Kleinmüthigkeit der Fürsten der Liga, dieGustav Adolph keinen energischen Widerstand leisteten. Auf die Nachricht, dassLetzterer sich nach Franken wende, stellte er sich mit seinem 26,000 Mannstarken Heere den 17. October 1631 vor Fulda auf, wo er, nachdem er sichdurch die lothringischen Truppen verstärkt, die Offensive ergreifen wollte;doch durch den Befehl des Kurfürsten von Baiern gezwungen, sich hinter dieTauber zurückzuziehen, bezog er nach dem missglückten Unternehmen gegenNürnberg die Winterquartiere zwischen Nördlingen und Anspach. Mit einem20,000 Mann starken Heere eilte er 1632 dem Bischof von Bamberg gegenden schwedischen Feldmarschall Hörn zu Hülfe, verdrängte ihn aus Bambergund zwang ihn zum Rückzuge nach Würzburg, Dieses war sein letzter Sieg.Hierauf bezog er die befestigte Position bei Rain am Lech, um sich dem Ein-dringen Gustav Adolph's in Baiern zu widersetzen. In dem hier erfolgtenmörderischen Kampfe (15. April 1632) zerschmetterte eine Kanonenkugel ihmdie rechte Hüfte, in Folge dessen er, nach Ingolstadt gebracht, 15 Tage darauf(30. April) in einem Alter von 73 Jahren verschied, von denen er 52 Jahre inununterbrochener kriegerischer Thätigkeit verbracht hatte. Der Parteigeist istder Grund der Ungerechtigkeit der meisten Geschichtschreiber gegen ihn, dieihn mit den dunkelsten Farben schilderten und ihn als einen grausamen Barbarenverschrieen. Weiter oben sind die Ursachen seiner energischen Operationen,wie die rauhe Art seiner Kriegführung auseinandergesetzt. Seine geschicktenCombinationen, die er mit ungewöhnlicher Energie und Schnelligkeit ausführte,