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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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IX. Tally. 203

stein, sein persönlicher Feind, unter dem Verwände, den Rücken des kaiser-lichen Heeres und dessen linken Flügel gegen die Niederlande zu decken, ihnan das linke Eibufer detachirt hatte. Als IG30 Wallenstein vom Heere entferntworden war, erhielt Tilly wiederum den Oberbefehl über die gegen GustavAdolph bestimmten Heere der Liga. Die Stellung Tilly's war jetzt eine äusserstschwierige: erstens weil er zugleich dem Kaiser und dem Kurfürsten vonBaiern diente, deren politische Zwecke oft mit einander nicht nur nicht über-einstimmten, sondern bisweilen sogar ganz entgegengesetzt waren, zweitensweil die kaiserlichen Generale nur mit Widerwillen unter dem uneigennützigenTilly dienten, von dem sie keine so freigebigen Belohnungen wie von Wallen-stein erhoffen konnten und dessen Befehle sie nur ungern erfüllten, besonders derehrgeizige und feurige Pappenheim, und drittens weil ihm (Tilly) die Voll-streckung des Restitutionsedicts übertragen worden war, das die Gemüther inDeutschland aufs Aeusserste erbittert hatte, und dies alles auf Tilly zurückfiel.Da seine ferneren Operationen gegen Gustav Adolph, bis zu seinem bei Rain am.Lech erfolgten Tode im dritten und vierten Kapitel erläutert sind, so sind hiernur noch einige, Tilly's Person betreffende Bemerkungen hinzuzufügen. Beiseinen anfänglichen und nachfolgenden Operationen gegen Gustav Adolph warenüberlegene Geschicklichkeit und Erfolg unstreitig und unzweifelhaft auf derSeite des Letzteren, wie dieses aus dem dritten und vierten Kapitel leicht zuersehen ist. Alle Schrecken der Erstürmung Magdeburgs hingegen sind unge-rechter Weise einzig und ausschliesslich Tilly zugeschrieben worden. In Folgeseines fanatischen Eifers für die Sache der Katholiken, seines Hasses gegen dieProtestanten, seiner Erregung wegen der Misserfolge gegen Gustav Adolph, so-wie der ihm eigenen Art, energisch und entschlossen aufzutreten, war er un-streitig der Haupturheber des Sturmes von Magdeburg (10. Mai 1631). Dochalle hierbei verübten Gräuel fallen auf Isolani und dessen Kroaten, wie aufPappenheim und dessen Wallonen, die zuerst in die Stadt drangen, Alles mitFeuer und Schwert vernichteten und sich der schonungslosesten Plünderunghingaben. Erst vier Tage später (14. Mai) hielt Tilly seinen feierlichen Einzugin Magdeburg, als die Stadt schon genommen, ausgeplündert und niedergebranntwar. Wahr ist allerdings, dass einige Befehlshaber der ligistischen TruppenTilly um die Erlaubniss gebeten, dem Plündern Schranken setzen zu dürfen,und dass Tilly ihnen hierauf trocken und kalt geantwortet: »Kommen Sie nacheiner Stunde wieder ; ich werde sehen, was zu thun ist; der Soldat muss fürdie ausgestandenen Mühen und Gefahren auch Etwas haben.« In seinem Be-richte an den Kaiser schrieb er : »Seit der Eroberung Trojas und der ZerstörungJerusalems hat es eine solche Victoria nicht gegeben.« Doch muss man sichin jene Zeit und in die Verhältnisse derselben versetzen und man wird diesweniger auffallend-finden. Gustav Adolph war in jener Zeit der Einzige, derden Krieg menschenfreundlich führte, alle Uebrigen, auf beiden Seiten, führtenihn barbarisch und grausam. Nach der Eroberung Magdeburgs rückte Tilly