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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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202 Beilagen.

von Lothringen-Mercoeur trat er 1598 in das kaiserliehe Heer, mit welchem erden Krieg gegen die verbündeten Magyaren und Türken in Ungarn mitmachte.Zum Obrist ernannt,warb er 1601 ein wallonisches Regiment, mit dem er sichbei Ofen auszeichnete. Nach Abschluss des Waffenstillstandes trat er in dieDienste Maximilians, Herzogs von Baiern, der ihn zum Oberbefehlshaber desfast gänzlich aufgelösten bairischen Heeres ernannte, das zu organisiren er denAuftrag erhielt. In kürzester Frist erfüllte er seine Aufgabe, verstärkte dieGrenzfestungen, versorgte sie mit Kriegsbedarf etc. 160b leitete er die Expe-dition gegen Donauwörth und nach der Bildung der katholischen Liga (1610)wurde er zum Oberbefehlshaber ihrer Heere ernannt. Als solcher drang erdarauf, dass die Schlacht am Weissen Berge geschlagen wurde, während Bouc-quoi, der kaiserliche Feldherr, mit dem Heere die Winterquartiere zu beziehenbeabsichtigte. Die Folge davon war der am 8. November 1620 erfochtene Siegund die Unterdrückung des böhmischen Aufstandes. Wallenstein tadelte dieSchlachtordnung Tilty's und dies wurde der Grund zu ihrer Feindschaft.Tilly rieth den böhmischen Adeligen, die sorglos nach Prag und auf ihre Güterzurückkehrten, zu fliehen, ehe noch der kaiserliche Befehl hinsichtlich ihrerBestrafung erschienen. Ohne seinen Rath zu beachten, blieben sie, und einesTages wurden 28 der vornehmsten Anstifter des Aufruhrs verhaftet und 27 vonihnen hingerichtet. 1621 eroberte Tilly EUnbogen und Pilsen, drängte Mansfeldgegen den Rhein, und nachdem er Mansfeld, den Herzog Christian von Braun-schweig und den Markgrafen von Baden-Durlach von einander getrennt, be-nutzte er geschickt seine Centralstellung zwischen ihnen, sie einzeln zu schlagen,zunächst den Letztern bei Wimpfen am Neckar, sodann den Herzog von Braun-schweig, den er (1622) aus der Pfalz vertrieb und ihm zwei Niederlagen bei-brachte bei Höchst (2. Juli 1622) und in der dreitägigen Schlacht bei Stadt-lohn im Kreise Münster (4. bis 6. August 1623). Zum Lohn für diese Lei-stungen erhob ihn der Kaiser in den Reichsgrafenstand und übertrug ihm dieweitere Pacificirung des nördlichen Deutschland. Zu diesem Zwecke besetzteer die hessischen Lande und trieb im Namen des Kaisers mit schonungsloserStrenge die allergrössten Contributionen ein. Hierdurch bis zum Aeussersteugebracht, erwählten die Fürsten des niedersächsischen Kreises Christian IV.,König von Dänemark, zum Oberfeldherrn der protestantisclTen Heere. Tillywurden die Kriegsoperationen gegen denselben übertragen. Trotzdem, dassAnfangs seine Truppen dem Heere Christian's IV. an Zahl bedeutend nach-standen , operirte er mit solchem Geschick und Erfolg, dass er endlich den27. August 1626 bei Lütter am Barenberge einen vollständigen Sieg über ihnerfocht. In Folge dessen drangen die Heere des Kaisers und der Liga in Hol-stein, Schleswig und Jütland ein und eroberten, den König von Dänemark vorsich her treibend , diese Landschaften, wodurch Christian endlich gezwungenwurde, um Frieden zu bitten (1629).

An diesen letzten Operationen nahm Tilly keinen Antheil, weil Wallen-