IX. Tilly. 201
Maximilian wieder an sich zu ziehen, was ihm auch schliesslich gelang, nachdemer Zwietracht im bairischen Heere gesät und iu dem französischen und schwedi-schen Misstrauen gegen ihn erweckt hatte ; Maximilian fürchtete einerseits dieSchweden und Franzosen, anderseits aber den Kaiser, und so vereinigte er seinHeer von Neuem mit dem kaiserlichen. In ihren Operationen fehlte es jedochjetzt an Einheit und Uebereinstimmung: die bairischen Truppen erlangten nurselten Erfolge und die letzten Schläge des Krieges fielen alle auf Baiern, inwelchem Maximilian kaum mehr eine sichere Zufluchtsstätte finden konnte. Derwestphälische Friede befreite ihn endlich von diesen Bedrängnissen, bestätigteihm die Kurwürde, den Besitz der Oberpfalz und der Grafschaft Cham undmachte es ihm möglich, seine letzten Lebensjahre (1649 —1651) darauf zu ver-wenden, die schweren Wunden, die der Krieg 16 volle Jahre hindurch dembairischen Lande geschlagen, zu heilen. Während des Krieges noch benutzteer jede Gelegenheit, die Leiden, die er seinem Staate verursacht, zu mildern,dessen Wohlstand wieder herzustellen, München und andere Städte Baiernsdurch grossartige Bauten zu schmücken und das allgemeine Wohl förderndeEinrichtungen zu treffen. Er starb den 27. September 1651 und hinterliessder Nachwelt das Andenken eines Mannes mit festem unerschütterlichem Cha-rakter, erhabenem Verstände und Geiste, eines weisen Fürsten Baierns, einestreuen eifrigen Gliedes der katholischen Liga, eines einflussreichen Mitgliedesdes deutschen Keiches, eines der wenigen deutschen Fürsten, die ruhmvoll vomAnfange bis zu Ende des 30jährigen Krieges an demselben Theil genommen,und zwar desjenigen, der unter ihnen am meisten seinen Namen mit Ruhm be-deckt hat.
IX.
Tilly.
Johann Tserclaes de Tilly war 1559 geboren auf dem Schlosse der Herr-schaft (seigneurie) Tilly, im wallonischen Brabant, nahe bei Gembloux, das seinUrgrossvater Johann Tserclaes im Jahre 1448 gekauft hatte; weshalb seit derZeit er und seine Nachkommen sich Tserclaes de Tilly nannten. Der VaterJohann's, der Reichs-Kriegsrath war und ihn für den geistlichen Stand be-stimmte, übergab" ihn den Jesuiten zur Erziehung, die ihm den rauhen Fana-tismus ihres Ordens einflössten. Von unüberwindlichem Triebe zum Kriegs-handwerk getrieben, trat der junge Tilly, 21 Jahre alt, in den spanischenKriegsdienst, wo er unter Herzog Alba, Requesens, Don Juan dAustria undAlexander Farnese im niederländischen Feldzuge seine erste praktische Militär-bildung erhielt, mit ihr aber auch zugleich die ungemeine Härte dieser Anführer,wie ihren blinden Gehorsam und die Wuth, ohne Erbarmen und Schonung allesKetzerische, d. i. Protestantische zu vernichten, sich aneignete. Für Aus-zeichnung im Dienste wurde er zum Officier befördert und avancirte weiter.Mit dem Obristlieutenantsrange und als Adjutant des Herzogs Philipp Emanuel