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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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VIII. Maximilian I., Kurfürst von Baiern. 199

wandtkeit, Anderen die geheimen Gedanken zu entlocken und die seinen zuverbergen. Um Personen, deren er zu seinem Zwecke bedurfte, an sich zuziehen, war er freigebig bis zur Verschwendung. Endlich besass er ungemeineFestigkeit- und ausgezeichnete Männlichkeit und Tapferkeit im Kriege undKampfe ; die stoische Festigkeit seines Geistes bewies er am besten in der Stundeseines Todes, den er ohne ein Wort zu sprechen oder einen Laut von sich zugeben hinnahm. Im Allgemeinen kann man ihm, trotz aller seiner Mängel, einegewisse Grösse nicht absprechen, der auch sein Aeusseres entsprach.

Er war von hohem Wüchse, von hagerem doch kräftigem Körperbau,besass kleine schwarze Augen, mit einem so feurigen Blick, dass ihn nurWenige ertrugen; er hatte rothes kurzes Haar; sein Gesicht war immer ernst,kalt und eher abstossend, als anziehend; sein Wesen würdevoll, stolz und ge-bieterisch. Nie lachte er, sprach wenig, kurz und abgebrochen und war inseinem Benehmen nicht einnehmend, sondern rauh.

Zum Schlüsse wollen wir seine Charakteristik, wie sie Arndt im erstenBande seiner »Ansichten der Deutschen Geschichte« schildert, anführen.

»Alles, was die Männlichkeit und Unerschrockenheit Erhabenes in "sichschliesst, was die Herrschaft und das Gebieterische Strenges und Gebietendes,die Freundschaft und Weisheit Liebenswürdiges und Herzerwärmendes an sichhat, was die schnelle Handlungsweise und Kühnheit beseelt, die Festigkeiterhärtet, das Zutrauen ermuthigt, Alles dieses, vereint mit einem würde-vollen Aeussern, einem heldenmüthigen Blicke und fürstlichen Auftreten, hattedie Natur in diesem einen Menschen vereinigt. Dazu noch Reichthum, Wissenund tiefen, unergründlichen Verstand, ein geheimnissvoller Aberglaube, derdarnach strebte, aus den Gestirnen und himmlischen Zeichen eine Erklärungder Welt und ihrer Geschichte zu erlangen. Deshalb aber, weil Wallenstein inseinem grossen Geiste und in seinen Bestrebungen irrte, konnten ihn kleinlicheMenschen überlisten und tödten. Was auch sein Plan gewesen sein mag, inwie fern derselbe zur Reife gelangte, er konnte sich eben so gut auf die Seitedes deutschen Vaterlandes und des Kaisers Ferdinand, als gegen sie neigen,ob die ganze Fülle seines Herzens, bis zur letzten Entscheidung, für seinenGeist klar und hell in den Gestirnen war, alles dies deckt die Nacht, dieihn in seinem Blute schwimmen sah. . . .«

VIII.

Maximilian T., Kurfürst von Baiern.

Maximilian, der Sohn Wilhelm's V., Herzogs von Baiern, wurde 1573 inLandshut geboren, wo er auch seine Kinder- und Jünglingsjahre verlebte.Gründlich erlernte er die lateinische, französische und italienische Sprache undverstand auch die spanische; darauf besuchte er bis 159 1 das Jesuitencollegiumzu Ingolstadt, zusammen mit seinem Vetter, dem späteren Kaiser Ferdinand II.