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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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198 Beilagen.

seiner Zeit nicht erheben; er glaubte an die Astrologie, der er vollkommenund aufs Innigste ergeben war und mit der er sich bis zu seinem Tode be-schäftigte. Sein unzertrennlicher Gesellschafter war der italienische AstrologSeni, der noclrwenige Augenblicke vor seinem Tode sich mit ihm unterhieltund der, wie man glaubt, bestochen war, um ihn irre zu leiten. Als Staats-mann, Politiker und Feldherr fehlte es ihm im Anfange seiner Laufbahn nichtan Werth, der aber weder in Ergebenheit und Dankbarkeit gegen die KaiserMatthias und besonders Ferdinand II., die ihn mit Gnadenbezeigungen freigebigüberhäuft, seinen Grund hatte, noch in der Liebe fürs Vaterland, für Pflichtund Ehre, sondern einzig in dem versteckten eigennützigen Streben, sich empor-zuschwingen und die Macht eines selbständigen Herrschers zu erlangen,in der zweiten Hälfte seines Lebens und hauptsächlich gegen das Ende des-selben schwinden bei ihm alle höheren Eigenschaften, so dass er hingerissenvon Stolz, Selbstvertrauen, Egoismus und Ehrgeiz, die so zu sagen ihn derSinne beraubt, den Schein der Erbärmlichkeit in dieser dreifachen Hinsicht aufsich zieht. Denn als Staatsmann leistete er dem Reiche weder erhebliche nochwirkliche Dienste, sondern schadete, wenn auch nicht in verrätherischer Ab-sicht, indem er den Staat grossen Gefahren aussetzte. Seine eigennützige Politik,weit entfernt, geschickt und erhaben zu sein, bestand einzig in geheimen undtraurigen Intriguen. Als Feldherr aber steht er fast noch niedriger. Alle seinemilitärischen Unternehmungen und deren Erfolg basirte er einzig auf die Ueber-macht und überhaupt nur auf die grobe materielle Kraft; Geschicklichkeitbesass er gar nicht oder nur wenig, was aus allen seinen Kriegsoperationenund besonders aus den gegen einen Feldherrn wie Gustav Adolph gerichtetenhervorgeht, sowie aus dem Urtheil des Letzteren über ihn zu ersehen ist.Gustav Adolph hatte ihn vollkommen durchschaut und sah in ihm nur einenehrgeizigen, dabei äusserst mittelmässigen ja schwachen Feldherrn und stellteüber ihn den feurigen, energischen , doch nicht ungeschickten Pappenheim,dem er eine viel grössere Achtung zollte. In Anbetracht der Disciplin seinerHeere, des Schreckens von ganz Deutschland, seiner grausamen Kriegführung,seiner Verheerung des Landes, wie seiner masslosen Gelderpressungen, er-scheint er nicht als der Führer eines europäischen Heeres, sondern als ein neuerAttila an der Spitze von Barbarenhorden.

Doch besass er auch Lichtseiten, obschon in geringerem Maasse. SeineThätigkeit war eine ungewöhnliche und unermüdliche. Für materielle und sinn-liche Genüsse und Vergnügungen hatte er nicht die geringste Neigung und anseiner für Andere immer mit dem grössten Luxus gedeckten Tafel war erselbst äusserst massig in Speise und Trank. Während er unermessliche Summendarauf verwandte, grossartige Gebäude zu seiner Wohnung zu erbauen undeinen zahlreichen und glänzenden Hofstaat zu unterhalten, kleidete er sich selbstäusserst einfach und beobachtete in seinen Sitten eine gewisse Einfachheit. Erbesass sehr viel Verstand und noch mehr Menschenkenntniss, List und Ge-