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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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VII. Wallenstein. 197

(der irländische Katholik, Obrist Butler, und die protestantischen Schottländer,Obrist Leslie und Obristlieutenant Gordon) luden am 25. Februar 1634 die dreiErsteren in das Schloss zum Abendessen ein und ermordeten sie bei Tische;darauf erbrach der Hauptmann Deveroux mit sechs Hellebardieren das voninnen verschlossene Schlafzimmer Wallenstein's, der sich schon zur Kuhe begebenhatte, und drang in dasselbe ein. Durch den Lärm erweckt, dessen Bedeutunger sofort erkannte, verliess Wallenstein, nur mit einem Hemd bekleidet, dasBett, stellte sich mit dem Rücken an die zwischen zwei Fenstern befindlicheWand, mit dem Gesicht zur Thiir, und als Deveroux mit den Hellebardierenins Zimmer drang, breitete er ruhig und schweigend die Arme aus, empfing mitder Brust den Todesstoss der Hellebarden und sank lautlos entseelt zu Boden.Butler und Leslie verschlossen sofort die Kanzlei Wallenstein's, hüllten denLeichnam in einen Teppich und brachten denselben in geschlossenem Wagenauf den Hof des Schlosses, wo sie ihn neben den Leichen Terzky's, Kinsky'sund Illo's niederlegten und die Nacht über dem Froste ausgesetzt liegen Hessen.Auf Befehl des Kaisers wurde die Leiche Wallenstein's den Verwandten desLetztern ausgeliefert (die sie in dem von Wallenstein in Gitschin errichtetenKarthäuserkloster beisetzten) und die Leichen der ermordeten Katholiken nachdem Ritus der Kirche bestattet. Die deutschen Schriftsteller bemerken hierbei,dass an der Ermordung Wallenstein's nicht ein einziger Deutscher Theil ge-nommen.

So endete Wallenstein in einem Alter von nur 52 Jahren. Die Urtheileseiner Zeitgenossen über ihn sind sehr verschieden von denen der Nachwelt.Das unparteiische Gericht der Nachwelt und der Geschichte aber, wenngleiches in ihm auch so manche Schattenseite findet, darf ihm nicht einige mehroder minder helle Lichtseiten absprechen. Seine dunkelsten Schattenseitenwaren: ein grenzenloser Stolz, Egoismus, Ehrgeiz und Habgier, die, wenn sieihm auch behülflich waren, sich auf eine ungemeine Höhe aufzuschwingen,doch zugleich auch die Ursache seines Sturzes wurden. Er hatte ein hartes,allen feineren Regungen unzugängliches Herz, liebte nur sich selbst, war gegenHöhergestellte hochfahrend, erkannte Niemand als Seinesgleichen an und be-handelte niedrigergestellte, ihm untergebene Personen immer rauh und nichtselten sehr grausam. Gefühl hat er nie besessen, und die Kunst, die Herzender Menschen zu gewinnen, fehlte ihm gänzlich. Nur durch Gold oder Furchthatte er .auf die Menschen Einfluss und lenkte sie, indem er sie wenig achtete,ja sogar verachtete. In religiöser Hinsicht war er in seiner Jugend eifrigerKatholik, im reiferen Alter aber und besonders gegen das Ende seines Lebenswurde er gegen die Religion gleichgültig und zollte ihr wenig Achtung, dieGeistlichkeit aber verachtete er, ja hasste sie und war ihr erklärter Feind, wieauch ihrerseits die Geistlichkeit, besonders aber die Jesuiten, ihm feindlich ge-rsinnt waren. Da er keinen wahren aufrichtigen Glauben besass, war er äusserstabergläubisch und konnte sich in dieser Hinsicht über die groben Vorurtheile