196 Beilagen.
Wallenstein möge augenblicklich die kaiserlichen Erblande räumen. Wallen-stein , auf den mit dem Kaiser geschlossenen Vertrag fussend, widersetztesich diesem Ansinnen. Seine Feinde und an ihrer Spitze der Kurfürst vonBaiern verlangten nun seine Absetzung und Enthebung vom Oberbefehle überdie Armee. Wallenstein berief seinerseits den 11. Januar 1634 einen Kriegs-rath, setzte ihm sein Missverhältniss zu dem Wiener Hofe aus einander underklärte sich bereit, da er an Podagra leide, auch die Wunden an seinen Füssensich geöffnet hätten, sein Amt niederzulegen und sich auf seine böhmischenBesitzungen zurückzuziehen. Die Generale und Obristen seines Heeres (haupt-sächlich die böhmischen und ausländischen, nicht die deutschen), die sich mehrihm als dem Kaiser verpflichtet glaubten , überreichten ihm Tags darauf den12. Januar einen Revers oder Protest gegen sein Vorhaben der von Allen,wenngleich von einem Theile durch den Zwang des andern unterschrieben war).Dieser Kevers enthielt nichts, was auch im Entferntesten einem Verrathe ähn-lich sah. Doch Piccolomini, Gallas, (Jaretto und Andere, von den Jesuitenaufgestachelt, stellten ihn dem Kaiser als offenkundige Empörung und Verrathdar. Hierauf erliess der Kaiser zwei Patente, das eine vom 24. Januar 1634an Gallas, das andere vom 18. Februar desselben Jahres an Marradas in Prag,laut denen Wallenstein und seine beiden Generale Illo und Terzky als Ver-räther und Empörer erklärt und ihrer Aemter entsetzt wurden, wobei dendem Kaiser treu gebliebenen Generalen anbefohlen war, sich Wallenstein'stodt oder lebendig zu bemächtigen. Unterdessen aber setzte der Kaiser einenfreundschaftlichen Briefwechsel mit Wallenstein fort. Als Letzterer von derihm drohenden Gefahr erfuhr, versammelte er den 20. Januar einen zweitenKriegsrath, in dem er einen Revers unterschrieb, «dass er nie gegen den Kaiseroder die Religion etwas Feindseliges habe unternehmen wollen«, die Generale,»dass sie durch den am 12. Januar unterschriebenen Revers Wallenstein nurdem Dienste des Kaisers hätten erhalten wollen«. Diesen Revers schickteWallenstein nach Wien, doch Piccolomini und seine Anhänger fingen denselbenauf und unterschlugen ihn. Als aber Marradas das zweite Patent des Kaisersan Gallas übersandte und Wallenstein zugleich erfuhr, dass Gallas, Piccolominiund Marradas mit kaiserlichen Truppen gegen ihn anrückten, begab er sichunter Bedeckung einiger ihm treu gebliebenen Compagnien, die der irländischeObrist Butler befehligte, aus Pilsen nach der Festung Eger. Von hier aus ge-dachte er sich unter den Schutz des Herzogs Bernhard von Sachsen -Weimarzu begeben, mit dem er deshalb schon früher in geheimen Unterhandlungengestanden und zwar wieder mittelst desselben Franz Albert von Sachsen-Lauenburg, der sich in Regensburg befand. Doch Herzog Bernhard, sowieOxenstjerna trauten Wallenstein nicht, und Butler, der Wallenstein's Absichtvon ihm selbst erfahren, benachrichtigte den Commandanten von Eger vomWillen des Kaisers. — Darauf beschlossen beide, zuerst die Generale Terzky,Kinsky und lllo und dann Wallenstein selbst zu tödten. Die Verschworenen