Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
Entstehung
Seite
195
Einzelbild herunterladen
 

VII. Wallenstein. 195

bei Lützen, durch Vermittelung des Herzogs Franz Albert von Lauenburg(weshalb man auch den Letztern an der Ermordung Gustav Adolph's bethei-ligt glaubte;. Der einzige Zweck dieser Verhandlungen war jedoch der, denKurfürsten von Sachsen vom Bündnisse mit den Schweden und Protestanten zutrennen und ihn auf die Seite des Kaisers zu ziehen. Dessenungeachtet be-dienten -Wallenstein's Feinde sich ihrer, um ihn des Verrathes gegen den Kaiserzu beschuldigen. Hierzu kamen allmälig noch neue Beschuldigungsgrunde,besonders seine trägen, langsamen und unentschlossenen Kriegsoperationen, jaseine gänzliche Unthätigkeit trotz der Ueberlegenheit seiner Streitkräfte; Sorückte im Mai 1633 Wallenstein nach Schlesien, unternahm aber nichts Ent-schiedenes gegen die verbündeten schwedischen, sächsischen und brandenbur-gischen Truppen. Dies erweckte natürlich den Verdacht, dass er mit demFeinde in geheimem Einverständnisse zum Nachtheile Oesterreichs stehe, ja dasser die Absicht habe, sich zum Könige von Böhmen aufzuwerfen. Die Ver-dächtigungen und Verleumdungen mehrten sich noch, als er einen sieben-wöchentlichen Waffenstillstand schloss, der ohne alle Folgen blieb, und alsnach dessen Ablauf die Leistungen Wallenstein's sich darauf beschränkten, beiSteinau (in Schlesien) den 18. October 1633 ein kleines schwedisches Corps zuüberfallen und gefangen zu nehmen , einige Städte Schlesiens zu besetzen undin die Lausitz und nach Brandenburg bis Berlin vorzudringen. Hierbei wardie Hauptursache der Unzufriedenheit mit Wallenstein wie zum Verdacht gegenihn die, dass er dem Befehlshaber des bei Steinau gefangenen schwedischenCorps, dem Grafen Thurn, dem Hauptanstifter des böhmischen Aufstandes,nicht nur die Freiheit gab, sondern ihn noch reich beschenkt mit geheimenAufträgen an Axel Oxenstjerna entliess. Dies besonders erregte in Wiengrossen Unmuth. Wallenstein dagegen beachtete dies nicht, blieb gleichgültiggegen die Missstimmung des Wiener Hofes, der seiner Ueberzeuguhg nachundankbar und beleidigend gegen ihn gehandelt hatte. Als hierauf der Kur-fürst von Baiern, sein persönlicher Feind, ihn bat, ihm gegen den HerzogBernhard von Sachsen-Weimar, der Begensburg belagerte, zu Hülfe zu eilen,und der Kaiser ihm befahl, diese Bitte zu erfüllen, rückte Wallenstein trotzder vorgerückten Jahreszeit und der schlechten Wege langsam durch Böhmenund die obere Pfalz nach Baiern. Als er jedoch in Nürnberg erfuhr, dassder Herzog Bernhard Regensburg den 5. November genommen, kehrte er aufdemselben Wege nach Böhmen zurück, wo er Winterquartiere bezog. Dies ver-stärkte begreiflicher Weise bedeutend die Unzufriedenheit des Kaisers und desWiener Hofes gegen Wallenstein; bei Hofe nannten seine Feinde und besondersdie spamsche Partei ihn ganz offen einen Aufrührer und Verräther. Sie über-gaben dem Kaiser scheinbare Beweise von der Absicht Wallenstein's, sich mittelstdes ihm ergebenen Heeres zum König von Böhmen aufzuwerfen und sich in dieserWürde durch die Unterstützung Schwedens und der Protestanten zu erhalten.Der äusserst aufgebrachte Kaiser entsandte Questenberg mit dem Befehle,

13*