194 Beilagen.
Heeres sein mit dem Rechte, alle höheren Aemter und Chargen in demselbenzu vergeben; das Heer solle durch Contributionen in den feindlichen Ländernmiterhalten werden: und endlich sollten ihm zur anfänglichen Werbung dreiBezirke in Böhmen angewiesen werden. Der Kaiser schwankte, und seineKäthe waren theils für, theils gegen den Vorschlag Walleustein's. Dieser be-gab sich nach Wien, wo er, unterstützt von seinem Freunde und dem ver-trautesten Rathgeber des Kaisers, dem Fürsten Eggenberg, bald alle Zweifelund Hindernisse überwand und, was er wünschte, auch erlangte. Sein Haupt-quartier schlug er in Bger in Böhmen auf und den ganzen August 1625 ver-wandte er zur Werbung der Truppen und zur Organisirung des Heeres. NachVerlauf eines Monats besass er schon an 20,000 Mann Truppen, mit denen eram 3. September aus Böhmen nach Franken aufbrach.
Wallenstein's fernere militärische Thätigkeit bis zu seinem Tode (25. Febr.1G34) ist weiter oben im dritten, vierten und fünften Kapitel dieses Buchesauseinandergesetzt, daher ist es unnöthig, ihrer hier zu erwähnen. Seine Endejedoch verdient eine genauere Betrachtung.
Nach der Schlacht bei Lützen, in welcher er grosse persönliche Tapferkeitund Kaltblütigkeit bewiesen und verwundet worden war, ging eine grosse Ver-änderung in seiner Handlungsweise vor sich. Nachdem er sich wahrscheinlichvon der Unmögliehkeit oder wenigstens ausserordentlichen Schwierigkeit, dieSchweden durch Waffengewalt aus Deutschland zu verdrängen, überzeugthatte, entschloss er sich, dies auf politischem Wege zu erlangen, indem er ihnenallmälig ihre Verbündeten zu entziehen suchte.
Um dies zu erreichen , trat er mit den Letzteren in geheime Unterhand-lungen, die er zunächst mit Arnheim, dem Feldmarschall des Kurfürsten vonSachsen, anknüpfte. Während er nun seine Kriegsoperationen gegen dieSchweden, da wo er sie schlagen konnte, äusserst entscheidend betrieb, that erganz das Gegentheil gegenüber den protestantischen Verbündeten der Schwedenund zwar aus dem politischen Grunde: dadurch, dass er ihrer schonte, sie denSchweden abwendig zu inachen und für sich zu gewinnen. Seine derartigeHandlungsweise im Laufe des Jahres 1G33 diente seinen Feinden und Neidernals Waffe, um ihm in der Meinung des Wiener Hofes und vor Allem des Kaisersselbst zu schaden.
An der Spitze seiner Feinde standen vornehmlich die Jesuiten (die ihnwegen seiner Toleranz oder richtiger gesagt, seiner Gleichgültigkeit in Glaubens-sachen, wegen seiner Verachtung gegen ihre Kabalen und Ränke, sowie wegenseiner Unterhandlungen mit den Protestanten hassten), dann der CardinalRichelieu und der Kurfürst von Baiern. Es bildete sich gegen ihn eine geheime,jedoch verbreitete und starke Intrigue, die immer mehr den Kaiser gegen ihnaufbrachte. Wallenstein seinerseits gab durch seinen masslosen Stolz Ver-anlassung zum Verdacht wie zur Unzufriedenheit. Mit Arnheim stand er schonseit langer Zeit in geheimen Verhandlungen, unter andern schon vor der Schlacht