VII. Wallenstein. \ 93
(8. November 1620), in der nur sein Kürassierregiment mitwirkte. Um dieseZeit begann die so folgenreiche Uneinigkeit zwischen ihm und Tilly, die ihrenGrund darin hatte, dass Wallenstein die in dieser Schlacht Von Tilly angewandteSchlachtordnung tadelte. Nach Unterdrückung des böhmischen Aufstandeskehrte er nach Olmiitz zurück und entwickelte hier eine energische und erfolg-reiche Thätigkeit zur Vertreibung der protestantischen Schaaren aus Mähren, umdiese Provinz der Gewalt des Kaisers vollkommen zu unterwerfen. Wallensteinavancirte dafür zum Generalmajor, wurde zum Generalgouverneur von Mährenernannt, erhielt alle seine Güter in dieser Provinz und in Böhmen zurück, dieer noch durch Ankauf vieler confiscirter Güter in Böhmen bedeutend ver-grösserte. An dem von Neuem entbrannten Kriege mit Bethlen Gabor nahmer unter Dampierre und Boucquoi Antheil, und nach dem Tode derselben, alsdie siebenbürgischen Truppen Mähren bedrohten, rückte er mit einem in Eilegesammelten Heere gegen sie, schlug sie bei Standschütz aufs Haupt undwandte sich darauf gegen den Verbündeten Bethlen Gabor's, den Markgrafenvon Brandenburg - Jägerndorf, den er ebenfalls den 13. October 1621 beiKretnsier schlug. Wallenstein's Reichthum und Ansehen hoben sich 1 622 nochmehr, und zwar dadurch, dass er als Entschädigung für die mehr jährigen Unter-haltungskosten seines Kürassierregiments, die sich auf 1 50,000 Gulden beliefen,die Herrschaft Friedland in Böhmen, die zehnmal mehr werth war, vom KaiserFerdinand II. erhielt. Durch Hinzufügung dieses Besitzthums zu den von ihmneuerdings gekauften Ländereien wui'de Wallenstein der reichste GrundbesitzerBöhmens und Mährens, ja fast von ganz Oesterreich. Bei Wiedereröffnung desKrieges mit Bethlen Gabor 1623 diente Wallenstein unter dem kaiserlichenOberbefehlshaber Caraffa und leistete hier grosse Dienste, als dieser'in seinemLager bei Göding in Mähren eingeschlossen war. Man befürchtete schon, dassdas kaiserliche Heer die Waffen strecken würde, als Bethlen Gabor einenWaffenstillstand schloss, dadurch seine Feinde errettete und zur ErhöhungWallensteins beitrug. Ende dieses Jahres (1623) erhob der Kaiser Letzterenzum Reichsfürsten mit dem Titel: Fürst von Friedland (1624 Herzog); somitwurde Wallenstein, seinen Reichthum ungerechnet, einer der bedeutendstenMagnaten Oesterreichs. Mit den Gunstbezeigungen des Kaisers rasch und frei-gebig überschüttet, erhob sich Wallenstein von Stufe zu Stufe, aber je näherer endlich der höchsten Stufe des Reichthums, der Bedeutung und Macht kam,desto mehr wuchs auch sein Ehrgeiz. Als 1.623 der Krieg das ganze nördlicheDeutschland überzog und 1625 Christian IV., König von Dänemark, an dieSpitze der deutschen Protestanten trat, forderte die katholische Liga immerdringender die Hülfe des Kaisers, dem es indess an Mitteln fehlte^ ein eigenesHeer in Deutschland zu unterhalten. Da machte ihm Wallenstein den Vorschlag,ein 50,000 Mann starkes Heer aus eigenen Mitteln aufzustellen, für welches manihm während und nach dem Kriege die Auslagen zurückerstatten sollte. Hieranknüpfte er noch folgende Bedingungen: er allein solle Oberbefehlshaber dieses
Q-.alitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. III, 1. 13