J90 Beilagen.
4
auf das Loben Gustav Adolph's beziehen, je nach dem Lager oder der Seite —der katholischen oder protestantischen, aus denen sie stammen. Der Unter-schied besteht darin , dass die Parteilichkeit für Gustav Adolph und gegenyPftHflnstejjn ganz natürlich und verständlich ist, im Grunde auch der histori-schen Wahrheit nicht widerspricht, während man von der Parteilichkeit imentgegengesetzten Sinne d. h. für Wallenstein und gegen Gustav Adolph das-selbe nicht sagen kann. Unter den Widersprüchen ist die Wahrheit in dem,was sich auf Gustav Adolph bezieht, bedeutend leichter herauszufinden als indein auf Wallenstein Bezüglichen. Das Leben und die Persönlichkeit desLetzteren wurden, wie es scheint, von den protestantischen Schriftstellern in zudüsteren Farben dargestellt, und von den katholischen wieder zu sehr hervor-gehoben, doch giebt es für ihn auch Biographen, die mehr oder weniger un-parteiisch und gerecht gegen ihn sind. Wenn man sich an die Letzteren hältund mit Vorsicht die beiden Ersteren benutzt, so kann man augenscheinlichfolgendes ziemlich genaue Bild von Wallenstein's Leben und Persönlichkeit zu-sammenstellen.
Albrecht Wenzel Eusebius Wallenstein (eigentlich Waldstein), in der FolgeGraf, Fürst und Herzog von Friedland, Mecklenburg und Sagan, Generalissimusaller kaiserlichen Heere, wurde den 15. September 1583 im Schlosse Hermanican der Elbe, im Königgrätzer Kreise, in Böhmen geboren und stammt aus einemalten und vornehmen Adelsgeschlechte (ob deutsch oder böhmisch, ist nichtgenau bekannt) , das seit der Eeformation protestantischen Glaubens war, inwelchem auch Wallenstein getauft wurde. Nachkommen der Familie Waldstein ineiner Seitenlinie existiren noch jetzt in Böhmen. Der Vater Wallenstein's war,wie es scheint, ein Deutscher, seine Mutter hingegen eine Czechin. Die Letzterestarb, als Wallenstein 10 Jahre alt war (1593), und sein Vater zwei Jahrespäter '1595). Den verwaisten zwölfjährigen Wallenstein nahm sein OheimAlbrecht Slavata zu sich. Seine erste Erziehung und Bildung erhielt er imHause seines Vaters, und nach dem Tode desselben besuchte er, während ersich bei Slavata befand, die öffentliche Schule der böhmischen und mährischenBrüder, darauf die Universität Altorf und beendete seine Erziehung auf seinenReisen im westlichen Europa. Die protestantischen Schriftsteller behaupten,dass sein von Jugend auf unruhiger, unfriedlicher, streitsüchtiger und un-gestümer Charakter sowohl in der Schule als auf der Universität seiner Bildung-hinderlich war, dass er sich Niemandem unterwerfen wollte und es nicht litt,Jemandes Gewalt über sich anzuerkennen, dass er stets darnach strebte, mora-lischen Einfluss auf seine Altersgenossen auszuüben, was ihm auch in der Thatgelang, doch mehr im Bösen als Guten, dass er sich Streiche und Handlungenerlaubte, für die er sich Strafe zuzog; dass jedoch ein Zufall seine ganzeSinnesart plötzlich änderte. Man erzählt nämlich, dass, nachdem Wallensteindie Universität verlassen, er als Page in die Dienste des Markgrafen von Burgau,eines Prinzen aus der österreichisch-tiroler Seitenlinie, der in Innsbruck