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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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188 ' Beilagen.

bewog aber Wrangel und Turenne zum Rückzuge über die Donau. Die ver-bündete kaiserlich - bairische Armee stellte sich in einer nach damaligen Be-griffen äusserst festen Position auf; die Fronte gegen die Donau, sich mit demrechten Flügel auf den Lech, mit dem Rücken auf Tirol stützend, bekam siedie nöthigen Lebensmittel aus Baiern. Dadurch, dass Wrangel und Turenneeinen Theil ihrer Streitkräfte den Lech hinauf, den anderen gegen Landsbergrichteten, schnitten sie der verbündeten Armee die Verbindungen mit Baiern ab.Nun überschritten die Verbündeten gewaltsam den Lech, worauf der Kurfürstvon Baiern dem Bündnisse mit dem Kaiser unter der Bedingung entsagte, dassdie schwedischen und französischen Truppen Baiern räumten. In Folge dessenwandte sich Wrangel nach Franken und von dort nach Böhmen, wo er Egernahm, und bezog hierauf seine Winterquartiere in Schwaben zwischen der oberenDonau und dem Bodensee; Turenne hingegen begab sich nach Würtemberg.Da jetzt der Kaiser von allen Verbündeten verlassen stand, berief die franzö-sische Regierung, um die Streitkräfte beider Theile ins Gleichgewicht zubringen, Turenne mit seiner Armee in die Niederlande. Wrangel, der dadurchdem Kaiser allein gegenüber stand, mit dem sich der Kurfürst von Baiern wiedervereinigt hatte, wandte sich aus Schwaben gegen die böhmische Grenze undvon dort an die Weser, wo er umringt wurde und fast mit seinem ganzen Heere .gefangen genommen worden wäre. Zum Glück für ihn gelang es Frankreich,den Kurfürsten von Baiern der französischen Politik geneigt zu machen, in Folgedessen das bairische Heer Wrangel den Weg zum Rückznge in das Herzog-thum Lüneburg frei liess, wo er seine Winterquartiere bezog. Da hierauf dasUebergewicht sich wiederum auf die Seite des Kaisers neigte, so sandte Frank-reich 1648 Turenne von Neuem Wrangel zu Hülfe.

Nachdem sie sich am Main vereinigt, drangen beide Heere über die obereDonau in Baiern ein und schlugen das vereinigte kaiserlich-bairische Heer den17. Mai bei Zusmarshausen unweit Augsburg, mit grossem Verluste für dasletztere. Wrangel besetzte nun ganz Baiern, das er aus Rache gegen denKurfürsten grosser Verwüstung preis gab. Mit Turenne bis zum Inn vorrückend,bedrohte Wrangel schon die Erblande des Kaisers, während Königsmark mit5000 Mann Truppen einige Erfolge in Böhmen erlangt und die Kleinseite Prags(auf dem linken Moldau-Ufer) genommen hatte. Der endlich zu Münster undOsnabrück am 24. October 1648 zu Stande gekommene westphälische Friedesetzte den Operationen Wrangel's, Turenne's und Königsmark's ein Ziel, wieüberhaupt dem 30jährigen Kriege. Wrangel kehrte nach Schweden zurück,wo er bis 1655 in Ruhe lebte.

Für Auszeichnung im Kriege wurde er 1645 in den Grafenstand erhoben,nachdem er schon früher zum Feldmarschall befördert worden war. 1655 be-gleitete er Karl X. auf seinem Feldzuge in Polen und betheiligte sich an derberühmten dreitägigen Schlacht bei Warschau (18. bis 20. Juli 1656). AlsDänemark 1657 Schweden den Krieg erklärte, erobert« er rasch Holstein,