V. Torstenson. 185
schickte von dort aus Detachements bis an die Thore Wiens. Das Heranrückeneines an Zahl überlegenen kaiserlichen Heeres unter dem Erzherzoge Leopoldund Piccolomini, sowie auch Mangel an Proviant nöthigten ihn, nach Branden-burg zurückzugehen. Nachdem er Verstärkungen an sich gezogen, rückte ervon Neuem in Schlesien ein — und musste wieder vor den Kaiserlichen überTorgau nach Sachsen weichen. Hier belagerte er Leipzig, um von der Stadteine Contribution zu erheben und dort mit seinem Heere die Winterquartierezu beziehen. Der Heranmarsch des Erzherzogs Leopold und Piccolomini's vonDresden und Torgau nach Leipzig hatte die zweite Schlacht bei Breitenfeld zurFolge (2. November n. St. oder 23. October a. St. 1642), in der die Kaiser-lichen aufs Haupt geschlagen wurden, Leipzig aber sich an Torstenson ergab.Nachdem er den Winter in Sachsen verbracht, rückte Torstenson im Frühjahre1643 wieder nach Mähron vor, befreite Olmütz, eroberte fast ganz Mähren undschloss schon mit Kakoczi, dem Fürsten von Siebenbürgen, einen Vertrag, ummit ihm vereint in Oesterreich einzudringen.... da reizte der hierdurch er-schreckte Wiener Hof im Geheimen Dänemark gegen Schweden auf, in Folgedessen Torstenson den Befehl erhielt, sich nach Holstein und Jütland zu wenden,doch ohne den neuen kaiserlichen Feldherrn Gallas dorthin dringen zu lassen.Torstenson erfüllte diese schwere Aufgabe mit einer bemerkenstwerthen Ge-schicklichkeit und mit vollständigem Erfolge. Im Herbste 164 3 verliess erMähren, rückte Anfangs nach Schlesien, von da nach Sachsen, indem er sichden Anschein gab, als wolle er im halberstädtischen Kreise die Winterquartierebeziehen. Von hier aus aber marschirte er rasch zur untern Elbe nach Holsteinund Jütland, wo er so unerwartet erschien, dass er den König von Dänemarkin eine schwierige und gefährliche Lage brachte. Der durch die Scheinbewe-gungen Torstenson's getäuschte Gallas konnte, da er erst im Mai 1644 den Be-fehl zum Ausmarsch nach Holstein erhielt und überdies noch durch den miteinem Corps Keiterei zurückgelassenen General Königsmark in Sachsen aufge-halten wurde, erst im Juli in Holstein eintreffen. Dadurch gewann TorstensonZeit, seine Truppen zu concentriren und Gallas bei Schleswig zu erwarten.Anstatt nun die Offensive zu ergreifen, nahm Letzterer jenseits der Eider ineiner befestigten Position Stellung, die er ausserdem durch eine künstlicheUeberschwemmung verstärkte. Torstenson rückte nun gegen Rendsburg vor,durchbrach die von Gallas besetzte befestigte Position und eilte, nachdem er ihmeine zahlreiche Reiterei in den Rücken gesandt, auf Nebenwegen nacli Boitzen-burg, wo er über die Elbe zurückging und sich mit Königsmark vereinigte.Gallas rückte vereint mit den Dänen ihm nach, erreichte aber die Elbe zu spätund musste, da die unzufriedenen Dänen ihn verliessen, allein den Rückzugantreten, wobei er, um diesen zu beschleunigen, seine ganze Artillerie im Sticheliess. Von den Schweden, die ihn dennoch einholten, bei Bernburg, Magde-burg und Jüterbogk geschlagen, brachte er von seinem 30,000 Mann starkenHeere nur 5000 Mann nach Böhmen zurück! Während auf diese Weise dem