Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
Entstehung
Seite
183
Einzelbild herunterladen
 

V. Torstenaon. 183

V.Torstensou.

Nach Bauers Tode wurde der Oberbefehl über die schwedischen TruppenEnde 1641 dem Feldmarschall Torstensou anvertraut.

Lennart (Leonhard) Torstensou, Graf von Ortala, wurde den 17. August1&Q3 zu Torstena bei Wenersborg in Schweden geboren und war der einzigeSohn dei königlichen Käthes Torsten Lenuartson, der, seiner Anhänglichkeitan Sigismund wegen verfolgt, nach Polen flüchten musste, als sein Sohu erst dreiMonate alt war. Der Letztere blieb bei seiner Tante, unter deren Aufsicht ereine sorgfältige Erziehung und Bildung erhielt. Schon in seiner zartesten Jugendzeigte er eine einfache und strenge Sittlichkeit und entsagte den Zerstreuungenund Vergnügungen seines Alters, um sich dem Studium ganz hinzugeben. ImAlter von lö Jahren trat er 101b als Tage in den Dienst Gustav Adolph's, beidem er sich beständig befand und den er in den ersten vier Jahren auf allenseinen Feldzügen in Polnisch-Preussen begleitete. Mit dem niedersten Officiers-range trat er 102-1 in den activen Dienst in die Leibconipagnio oder das könig-liche Leibregiment, mit dem er sich 1026 an der Schlacht von Wallhol' he-theiligte, in Folge dessen er zum Hauptmann avancirte: später 11.027) wurde erObristlieutenant und 1628 (im Alter von 25 Jahren) Obrist.

Nach Abschluss des Waffenstillstandes mit Polen erhielt er 162'J vonGustav Adolph einen höchst wichtigen Auftrag, der ein Beweis des ihm ge-schenkten besonderen Vertrauens war und der darin bestand, die Feldartilleriedes nach Deutschland bestimmten Heeres zu organisiren. Die Kenntnisse, Er-fahrungen und die ßathschläge vieler ausländischer, in schwedischen Dienstenstehender Artillerie-Officiere, unter ihnen des ObristenWurmbrand (s. Seite 140),sich zu Nutzen ziehend, bewirkte Torstensou im Laufe eines Jahres in derschwedischen Feldartillerie (hinsichtlich ihrer Erleichterung, ihrer Beweglichkeit,der Kunst und Genauigkeit im Schiessen etc.) so bedeutende Vervollkommnungenund vergrösserte ihren Bestand an Geschützen und Bedienungsmannschaft sosehr, dass sie entschieden die erste und beste in ganz Europa wurde. ZumOberbefehlshaber der Artillerie 1030 ernannt.• inachte er d.ie Feldziige inPommern und im innern Deutschland mit, wo er wesentlich zur Eroberung vielerbefestigten Städte beitrug- Die Schlacht bei Breitenfeld begründete vollkommenden Ruhm der schwedischen Artillerie und ihres Organisators Torstensou.Oft befehligte Torstenson auch grössere Heeresthcile und zeichnete sich dabeistets durch Muth, Kühnheit und Geschicklichkeit aus. Bei der ErstürmungKreuznachs (1032) war er einer der Ersten auf dem Festungswalle, wobei ereine schwere. Kopfwunde erhielt. Durch die geschickte Aufstellung der schwe-dischen Artillerie am Lech trug er wesentlich zum Erfolge des UebergangsGustav Adolph's über diesen Fluss bei, der ihm das Baierland öffnete. Ebenso