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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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182 Beilagen.

mit den ihn hart bedrängenden und ihm bei Weitem überlegenen StreitkräftenPiceolomini's. Zudem erkrankte Baner um diese Zeit und musste während einesgrossen Theiles dieses Bückzuges in einer Sänfte getragen werden. Die aus-gezeichnete Verteidigung Wald-Neuburgs durch Oberst Slange rettete Banerund ermöglichte es seinem Heere, Niedersachsen zu erreichen. Doch hier inHalberstadt starb den 10. Mai Kill der kranke Baner, — wie man vermuthet— an Gift. Also ein neuer und zwar der dritte Verdacht, der auf die Katho-liken fällt, die Häupter der Protestanten im 30jährigen Kriege heimlich getödtetzu haben! Weshalb hatte denn Niemand einen ähnlichen Verdacht im ent-gegengesetzten Sinne, d. h. in der heimlichen Ermordung katholischer Häupterdurch die Protestanten ? Ersichtlich ist es, dass der angeführte Verdacht nichtgrundlos ist, und man muss gestehen, dass seitens der Jesuiten ein ähnlicherpolitischer Mord immer erwartet worden konnte. Wie dem auch sei, die prote-stantische Partei verlor in Baner, nach Gustav Adolph und Herzog Bernhardvon Weimar, eine ihrer bedeutendsten und besten Stützen, Schweden einenseiner grössten Feldherren und die Katholiken einen ihrer gefährlichsten Feinde.

Unter den Hauptlenkern des 30jährigen Krieges steht Baner in militäri-scher Hinsicht als eine der hervorragendsten Erscheinungen da, indem er sichäussergewöhnlich durch Muth, Kühnheit, Unternehmungsgeist, Energie, Ent-schlossenheit und eine besondere Geschicklichkeit im Operiren auszeichnete,ohne, wo es nöthig war, es an weiser Vorsicht fehlen zu lassen! In allen seinenUnternehmungen lioss er sich nur durch die Aussicht auf sichern Erfolg leiten.Geschickt verstand er es, der Gefahr und dem ihm allzu überlegenen Feindeauszuweichen. Man hat berechnet, dass die Schweden unter seiner Anführungbei verschiedenen Gelegenheiten gegen SO,000 Feinde geschlagen und gegen000 Fahnen erobert haben. Gleich Gustav Adolph war er immer an der Spitzeseiner Truppen, unter denen er strenge Mannszncht hielt; den Krieg führte erauf grausame Weise, und Böhmen, besonders aber Sachsen {aus Rache gegenden Kaiser und den Kurfürsten), sowie auch andere feindliche Länder wurdenvon ihm auf das Schrecklichste verheert. Seinem Charakter nach fehlte es ihman Geduld zu Belagerungen; seinem Benehmen wirft man Stolz und Grobheitvor und seiner Moralität Mangel an Keinheit. Die Freuden der Tafel sowie'Liebesabenteuer sollen, wie man behauptet, alle seine von Geschäften freie Zeitausgefüllt haben, und möglich ist es, dass sie das langsame Gift sind, welchesseinen Tod beschleunigte, der ihn schon im '15. Lebensjahre dahinraffte.

Augenscheinlich ist es, dass seihe Mängel die Folge seiner in der Jugendohne seine Schuld vernachlässigten Erziehung und Bildung sind.