IV. Baner. 181
Wrangel, der Mecklenburg und Pommern besetzt hielt, gänzlich abgeschnitten.Um sich und sein Heer vor Vernichtung und Gefangenschaft zu retten, gab ersich den Anschein, als zöge er sich nach Polen zurück; sobald aber die Ver-bündeten ihm in dieser Eichtung nachfolgten, wandte er sich rasch wieder zurOder, die er überschritt und sich darauf mit Wrangel vereinigte. Hierauf rückteGallas mit 60,000 Mann kaiserlicher Trappen gegen ihn nach Mecklenburg.Wenn auch von da fast gänzlich verdrängt, hielt sich trotzdem Baner mühevollein halbes Jahr hindurch theils in Mecklenburg, theils in Pommern in der Defen-sive und wartete geduldig auf eine günstige Wendung der Verhältnisse. DieSorglosigkeit der Verbündeten benutzte er und drängte sie Ende 1688 über dieHavel. Im März 1639 waren Sachsen, Schlesien und Thüringen schon wiederin seiner Gewalt, und General Königsmark drang sogar mit 16,000 schwedischenReitern bis Schweinfurt am Main vor. Wenn es ihm auch missglückte, Freibergzu nehmen, so schlug er die Sachsen bei Chemnitz, eroberte Pirna und rücktein Böhmen ein, wo er sich bis zum Mai 1640 hielt und dieses Land sowie auchSachsen auf das Grausamste verwüstete. Piccolomini, der mit neuen und über-legenen kaiserlichen Heeren nach Böhmen gegen Baner vorrückte, nöthigtediesen, sich nach Sachsen zurückzuziehen. Bei Plauen geschlagen, nahm er ineiner befestigten Position bei Erfurt Stellung. Trotz seiner Ueberlegenheit anStreitkräften wagte Piccolomini es nicht, Baner hier anzugreifen, sondern stelltesich gleichfalls in einer befestigten Position bei Saalfeld auf. Bald darauf be-zogen beide, sowohl Baner als auch Piccolomini, mit ihren Heeren Winterquar-tiere und setzten nur den kleinen Krieg fort. Während des Winters stiessenhessische und lüneburgische Truppen zu Baner, sowie das ehemalige Heer desHerzogs Bernhard von Weimar (siehe oben die Biographie desselben) unter demMarschall Guebriant, das Frankreich den Schweden zu Hülfe schickte. Picco-lomini war dadurch, dass die bairischen Truppen sich von ihm getrennt hatten,zum Rückzug nach Franken genöthigt. Die in Folge der Eröffnung der Friedens-unterhandlungen eingetretene Waffenruhe benutzte Baner zur Vermählung miteiner Prinzessin von Baden-Durlach. Im Frühjahre 164 l beabsichtigte Baner,Regensburg, wo der Reichstag versammelt und der Kaiser selbst anwesendwar, zu überfallen, denn nur so kann dies sein überaus rasch und geheimausgeführtes Unternehmen genannt werden. Sein Zweck war, den Kaisernebst den Mitgliedern des Reichstages gefangen zu nehmen, um dadurch dieFriedensunterhandlungen zu beschleunigen, — ein ziemlich sonderbares Zielfür eine Kriegsoperation! Und wer weiss? Möglich dass Baner dieses Ziel er-reicht hätte, wenn nicht der so frühzeitig eingetretene Eisgang auf der Donauund das Heranrücken eines kaiserlichen Heeres ihm hindernd in den Weg ge-treten wären. Kaiser und Reichstag waren gerettet, der Krieg aber hörtenicht auf, sondern entbrannte mit noch grösserer Heftigkeit, und Baner wargenöthigt, einen äusserst beschwerlichen Rückzug nach Böhmen anzutreten undzwar über den noch mit tiefem Schnee bedeckten Böhmerwald, in stetem Kampfe