178 Beilagen.
eilenden kaiserlichen Heere plötzlich angegriffen, war er gezwungen der Ueber-macht zu weichen, doch nachdem er sein Heer wieder rasch gesammelt undgeordnet, überfiel er seinerseits plötzlich das kaiserliche Heer (21. FebruarI63S) und erfocht einen vollständigen Sieg. Viele feindliche Generale machteer zu Gefangenen und zwang die Festung ßheinfelden den 13. Mai desselbenJahres zur Uebergabe. Hierauf belagerte er die Festung Breisach, deren er,als des Schlüssels zum Elsass, bedurfte. Ein zum Beistande Breisachs herbeige-eiltes kaiserliches Heer unter dem General Götz schlug der Herzog Bernhard den30. Juli 1638 mit grossem Verluste der Kaiserlichen. Die Belagerung Breisachsfortsetzend, eroberte er mehrere der zunächst gelegenen Städte und warf wieder-holt das feindliche Heer zurück, worauf endlich die Festung unter für sie vor-theilhaften Bedingungen in die C'apitulation willigte, welche der Herzog in seinemeigenen Namen, ohne Frankreich zu erwähnen, abschloss. Frankreich, dasschon früher unter gewissen Bedingungen ihm das Elsass zugestanden, bestätigtenun zwar dem Herzoge dessen Besitz, allein dieser forderte auch Breisach, alszum Elsass gehörig, besetzte alle von ihm eroberten Städte mit deutschen Gar-nisonen und Hess Münzen mit dem weimarischen und breisachischcn Wappenprägen. Vergebens bemühte sich die französische Kegierung, ihm Breisach zunehmen, indem sie ihm den Vorschlag machte, zugleich mit der deutschen fran-zösische Garnison in die Festung zu legen , ihn selbst nach Paris einlud undendlich ihm die Hand der Herzogin von Ajguillon, der Nichte des CardinalsRichelieu, antrug. Der Herzog Bernhard nahm keinen dieser Vorschläge an, er-klärte sich aber bereit, die Prinzessin Bohan zu heirathen, worauf indessen derfranzösische Hof nicht einging, um die Partei der Hugenotten nicht zu verstärken.
Bald darauf erkrankte der Herzog, und die Krankheit machte so reissendeFortschritte, dass er ihr schon am 8. Juli 1639 zu Neuburg am Rhein erlag.Man vermuthet, was übrigens auch nicht unwahrscheinlich ist, dass Richelieugeheime Massregeln getroffen, um den durch seine steigende Macht gefährlichenNachbar zu beseitigen, indem er befohlen, den letztern zu vergiften; der Her-zog selbst zweifelte nicht daran. Gleich nach seinem Tode erschienen in Brei-sach französische Bevollmächtigte und nahmen das Heer des Herzogs in fran-zösischen Sold, das nun unter den Marschall Guebriant gestellt wurde. Mitdem Tode des Herzogs Bernhard verloren die Protestanten Deutschlands eineihrer kräftigsten Stützen; jedoch Baner und Torstenson traten in seine Fuss-stapfen und bald nahm auch Frankreich zum Nutzen der Protestanten thätigenAntheil am Kriege.
Der Herzog Bernhard war ein äusserst talentvoller Mensch und eine höchstbemerkenswerthe Persönlichkeit. Mit einem angenehmen Betragen verband erviel Verstand, eine aussergewöhnliche Tapferkeit und eine Festigkeit desGeistes, die kein Unfall zu beugen vermochte: sein einziger Fehler war seineübergrosse Lebhaftigkeit, die ihn zuweilen (wie bei Nördlingen) zu unüberlegtenHandlungen Ibrtriss.