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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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172 Beilagen.

stellte er in seinem Schlosse als Trabanten an, und selten ging er an einem vonihnen vorüber, ohne ihm ein freundliches Wort zu sagen. Der älteste von ihnenwar ein Greis, der in seiner Jugend die Kriege Gustav Wasa's in Russland mit-gemacht. Diesen Alten liebte er besonders, setzte sich oft zu ihm, um mit ihmüber den alten König Gustav, dessen Erlebnisse und Sitten zu sprechen.

Der heftige Charakter Gustav Adolph's und die mit demselben verbundenerasche Handlungsweise waren zuweilen die Ursache mancher unangenehmenVorfälle. Besonders in seiner Jugend erlaubte er sich nicht selten scharfeWorte, ja sogar Stösse und Schläge; es wurde ihm schwer, ja fast unmöglich, dasAufwallen seiner Heftigkeit zu bemeistern. Jahre und Erfahrungen brachten ihnendlich dazu, die schwere Kunst, sich selbst zu beherrschen, zu erlernen, sodass man oft seine innere Erregung nur an einem leichten Erröthen und Zuckender Gesichtsmuskeln erkannte. Er war sich seines Fehlers bewusst und gestanddenselben offen ein. »Doch«, pflegte er zu sagen, »meine Freunde können mitmeiner Heftigkeit Nachsicht haben, sowie ich auch ihnen ihre Fehler verzeihe,dem Einen seine Langsamkeit, dem Andern seine Trunksucht, dem Drittenseine Habgier etc.« Leicht und rasch versöhnte er sich und bemühte sich eifrigstmit Grossmuth sein Versehen wieder gut zu machen. Hass und Zorn währtenbei ihm nie lange. Hierüber erzählt man folgenden Vorfall: Der schottischeObrist Seaton hatte sich bei einer Revue vergangen, wofür er vom Köuige einenVervveis erhielt. Der Obrist suchte sich zu rechtfertigen, wobei es zu einemheftigen Streite kam, der damit endete, dass der König ihm vor der Fronte eineOhrfeige gab. Da der Obrist auf Genugthuung nicht hoffen konnte, nahm erauf der Stelle seinen Abschied und begab sich denselben Abend noch nach dendänischen Besitzungen, um dort Dienste zu nehmen. Der König, der alsbaldsein Unrecht bereute, nahm zwei Diener mit sich und folgte ihm. Kaum hatteder Obrist die Grenze überschritten, so wurde er auch schon vom Könige ein-geholt. »Herr Obrist«, sagte der König, »ich habe Sie ungerechter Weise be-leidigt, was mich ungemein schmerzt; da ich Sie für einen Ehrenmann halte,so komme ich, Ihnen Genugthuung zu geben. Hier ausserhalb der GrenzeSchwedens sind Gustav Adolph und Seaton einander gleich! Hier sind zweiPistolen und zwei Degen, rächen Sie sich, wenn Sie können!« Seaton warf sichihm zu Füssen und bat um die Erlaubniss, in seinem Dienste leben und sterbenzu dürfen. Gustav Adolph umarmte ihn und kehrte mit ihm ins Lager zurück,wo er in Gegenwart Vieler es erzählte, welche Genugthuung Seaton erhalten.

Gustav Adolph war einer der grössten Feldherren, die es je gegeben. Diewichtigen Verbesserungen, die er in der Kriegskunst eingeführt, werden weiterunten genauer erörtert werden. Seine persönliche Tapferkeit war so ausser-gewöhnlich, dass Viele ihn ihretwegen tadelten und behaupteten, er verwechseledie Pflichten des Kriegers mit denen des Feldherrn. Er hingegen war der Ueber-zeugung, dass der Vorgesetzte von seinen Soldaten nur so viel Männlichkeit,als er selbst besitze, fordern dürfe. Die Furcht war Gustav Adolph gänzlich